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Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt
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Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt (vollstĂ€ndige Bezeichnung: Nichtangriffsvertrag zwischen Deutschland und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) oder nach den Unterzeichnern Molotow-Ribbentrop-Pakt genannt, auch als Hitler-Stalin-Pakt bekannt, war ein Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion, der am 24. August 1939 (mit Datum vom 23. August 1939) in Moskau vom ReichsauĂenminister Joachim von Ribbentrop und dem sowjetischen Volkskommissar fĂŒr AuswĂ€rtige Angelegenheiten Wjatscheslaw Molotow in Anwesenheit Josef Stalins (als KPdSU-GeneralsekretĂ€r de facto FĂŒhrer der Sowjetunion) und des deutschen Botschafters Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg unterzeichnet und publiziert wurde. Der Pakt garantierte dem Deutschen Reich die sowjetische NeutralitĂ€t fĂŒr den vorbereiteten Angriff auf Polen und den Fall eines möglichen Kriegseintritts der WestmĂ€chte.
Ein geheimes Zusatzprotokoll âfĂŒr den Fall einer territorial-politischen Umgestaltungâ rechnete den gröĂten Teil Polens sowie Litauen der deutschen InteressensphĂ€re zu, Ostpolen, Finnland, Estland, Lettland und Bessarabien der sowjetischen.
Nachdem die Wehrmacht beim Ăberfall auf Polen die westpolnischen Gebiete und die Rote Armee daraufhin Ostpolen militĂ€risch besetzt hatten, wurde mit dem Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939 eine engere Zusammenarbeit der beiden Staaten vereinbart und die Interessengebiete den neuen VerhĂ€ltnissen angepasst. Neben einer BekrĂ€ftigung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit prĂ€zisierten begleitende, teils geheime Abkommen die Aufteilung Polens, schlugen die baltischen Staaten, diesmal mit Litauen, der Sowjetunion zu und legten die ĂberfĂŒhrung der deutschen, ukrainischen und weiĂrussischen Minderheiten aus den betroffenen Gebieten in den eigenen Machtbereich fest.
Mit dem Ăberfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 brach das Deutsche Reich diese beiden VertrĂ€ge.
Contents
âą Bezeichnung
âą Vorgeschichte
âą Inhalt
âą Teilung Polens
âą Der Bruch
âą Russland
âą Baltikum
âą Filme
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Bezeichnung
Die Bezeichnungen fĂŒr den Vertrag variieren nach Zeit, Region, Intention und Kontext:
Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffsvertrag ist die offizielle Bezeichnung durch die Signatarstaaten und ist im Bereich der Diplomatie des Zweiten Weltkrieges vorherrschend. In den Zeiten des Kalten Krieges war sie regional im sowjetischen und mittelosteuropÀischen Raum gebrÀuchlich, und Kritiker bemÀngelten, diese Benennung impliziere einen friedlichen, nichtaggressiven Nichtangriffspakt mit der Leugnung des geheimen Zusatzprotokolls.
Molotow-Ribbentrop-Pakt entwickelte sich in den Kreisen russischer und ostmitteleuropÀischer Dissidenten und Emigranten und entwickelte sich im Kalten Krieg zu einem Kampfbegriff gegen das kommunistische System und die Sowjetunion, um den Vertrag und sein geheimes Zusatzprotokoll zu veröffentlichen und offen die Motive zum Abschluss des Vertrages zu diskutieren. Dabei wurden weder die diktatorischen Systeme noch die Diktatoren der Signatarstaaten benannt.
Hitler-Stalin-Pakt und Nazi-Soviet-Pact sind in der westdeutschen und englischsprachigen Publizistik entstanden. Diese Begriffe heben den diktatorischen und totalitÀren Charakter der unterzeichnenden MÀchte hervor, wobei Hitler-Stalin-Pakt nicht die Systeme, sondern die Personen der Diktatoren betont.cite-ref-1[1]
Vorgeschichte
MĂŒnchner Abkommen
Beim MĂŒnchner Abkommen vom 29. September 1938 hatten Frankreich und das Vereinigte Königreich mit dem Deutschen Reich die Sowjetunion vom Verhandlungstisch ferngehalten, so dass die auĂenpolitischen Möglichkeiten der Sowjetunion zur Abwehr der nationalsozialistischen AggressionsplĂ€ne nur geringe SpielrĂ€ume lieĂen. Einer davon war eine taktische Vereinbarung mit dem feindlich eingestellten Deutschland.cite-ref-2[2]
Entwicklung nach dem MĂŒnchner Abkommen
Adolf Hitler hatte mehrfach versucht, Polen und RumĂ€nien aus ihrer Bindung an Frankreich zu lösen und in eine gemeinsame offensive Frontstellung gegen die Sowjetunion zu bringen. Trotz des deutsch-polnischen Nichtangriffspakts von 1934 und der deutsch-rumĂ€nischen AnnĂ€herung 1936 scheiterte diese Politik. Polen lehnte im Oktober 1938 Hitlers Vorschlag einer gemeinsamen Ostexpansion ab, bei der es groĂe Teile der Ukraine erhalten sollte. Damit lag fĂŒr Hitler eine Lösung nahe, Ostmitteleuropa unter Ausschaltung der WestmĂ€chte gewaltsam in eine deutsche und eine sowjetische InteressensphĂ€re aufzuteilen.cite-ref-3[3] Am 28. April 1939 wurde der deutsch-polnische Nichtangriffspakt einseitig von Deutschland aufgekĂŒndigt.
Als Deutschland am 15. MĂ€rz 1939 die sogenannte Rest-Tschechei besetzte, wurde offenkundig, dass die anglo-französische Appeasement-Politik gescheitert war. Hitler hatte den WestmĂ€chten als SchwĂ€che ausgelegt, dass sie seinen Revisionismus gegenĂŒber dem Friedensvertrag von Versailles geduldet hatten, nicht als Versuch, Deutschland friedlich in die europĂ€ische Staatengemeinschaft einzugliedern. In GroĂbritannien forderten die oppositionellen KrĂ€fte innerhalb der regierenden konservativen Partei unter FĂŒhrung Winston Churchills das Ende aller ZugestĂ€ndnisse gegenĂŒber Deutschland. Auch Premierminister Neville Chamberlain sah in diesem gewaltsamen Bruch des MĂŒnchner Abkommens von 1938 eine GefĂ€hrdung der Machtbalance, auf der GroĂbritanniens Weltstellung beruhte. Die britisch-französische GarantieerklĂ€rung fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Polens vom 31. MĂ€rz 1939 signalisierte, dass GroĂbritannien und Frankreich ein unabhĂ€ngiges Polen als vitales eigenes Interesse betrachteten.cite-ref-4[4] Da sich ab MĂ€rz 1939 die Einsicht verstĂ€rkte, dass ohne die Sowjetunion in Europa keine wirksame Position gegen Hitler aufgebaut werden konnte, wurde die Sowjetunion, die 1938 beim MĂŒnchner Abkommen noch als Paria auĂen vor gehalten worden war, nun diplomatisch aufgewertet und in den Kreis der MĂ€chte aufgenommen, die das Schicksal Ostmitteleuropas bestimmten.cite-ref-5[5]
Britische wie französische Eliten hassten und fĂŒrchteten zwar die Sowjetunion, aber manche Pragmatiker, darunter etwa auch Churchill und David Lloyd George, sahen im nationalsozialistischen Deutschland die gröĂere Gefahr und hielten ein BĂŒndnis mit Moskau gegen den gemeinsamen Feind fĂŒr notwendig, wĂ€hrend Premierminister Neville Chamberlain und andere Konservative sich dagegen strĂ€ubten.cite-ref-6[6] Auch der französische Premierminister Ădouard Daladier und sein AuĂenminister Georges Bonnet waren antikommunistisch gesinnt und skeptisch gegenĂŒber einer möglichen Allianz mit der Sowjetunion.cite-ref-carley710-7-0[7] Die Furcht, dass die Welt nach einem Krieg in Europa unabhĂ€ngig von dessen Ausgang an den Kommunismus fallen wĂŒrde, hatte schlieĂlich ihre bisherige Appeasement-Politik motiviert.cite-ref-8[8] Aber nun sahen sich die Franzosen durch ihren Nachbarn Deutschland stĂ€rker bedroht als die Briten in ihrer Insellage. Die öffentliche Meinung in GroĂbritannien und Frankreich, ausgenommen die französische Rechtspresse, befĂŒrwortete eine Allianz mit der Sowjetunion.cite-ref-carley710-7-1[7]
Verhandlungen zwischen den WestmĂ€chten und der Sowjetunion ĂŒber eine Allianz
VorschlĂ€ge fĂŒr eine Dreierallianz
Nachdem GerĂŒchte aufgekommen waren, dass Hitler sich nach der Tschechoslowakei RumĂ€nien zuwenden wĂŒrde, sondierte GroĂbritannien am 18. MĂ€rz 1939 die sowjetische Haltung. Moskau schlug eine diplomatische Konferenz mit GroĂbritannien, Frankreich, Polen und RumĂ€nien vor. Trotz eines positiven Austausches bezweifelte der sowjetische AuĂenminister Maxim Litwinow, dass die WestmĂ€chte sich tatsĂ€chlich von ihrer Appeasement-Politik abwendeten.cite-ref-9[9] Aus seiner Sicht wollte Chamberlain die Möglichkeit einer Kooperation mit der Sowjetunion dazu nutzen, Hitler und Mussolini unter Druck zu setzen, nachdem Hitlers Expansionsdrang durch die MĂŒnchner Konferenz bereits nach Osten gelenkt worden war. Die Sowjets bezweifelten, dass die Briten Polen oder RumĂ€nien bei einem deutschen Angriff schĂŒtzen könnten und waren verĂ€rgert, dass die Briten eine geplante gemeinsame ErklĂ€rung stillschweigend zugunsten der britisch-französischen GarantieerklĂ€rung fallen lieĂen. Ebenso wenig glaubten die Sowjets, dass die Franzosen von ihrer MĂŒnchner Linie abweichen wĂŒrden. Litwinow glaubte vielmehr, es sei am besten, die weiteren Entwicklungen abzuwarten.cite-ref-10[10]
Die Unterzeichnung des deutsch-rumĂ€nischen Wirtschaftsabkommens am 23. MĂ€rz 1939 alarmierte die Sowjetunion, dass sich eine deutsche Kontrolle RumĂ€niens anbahnen könnte. FĂŒr Beruhigung sorgte erst eine britische GarantieerklĂ€rung fĂŒr RumĂ€nien und Griechenland am 13. April. Zwei Tage spĂ€ter fragte der britische Botschafter in Moskau, William Seeds, an, ob Moskau zu einer Ă€hnlichen ErklĂ€rung fĂŒr Polen und RumĂ€nien bereit wĂ€re. Am 17. April ĂŒbermittelte Litwinow Seeds einen mit Stalin abgestimmten 8-Punkte-Plan fĂŒr eine Dreierallianz, der neben gegenseitigen Verpflichtungen letztlich eine militĂ€rische Allianz vorsah.cite-ref-11[11] Frankreich lehnte den sowjetischen Vorschlag als zu weitgehend und komplex ab, wĂ€hrend die Briten schwiegen.cite-ref-12[12]
Am 3. Mai 1939 ersetzte Stalin ĂŒberraschend Litwinow als AuĂenminister durch Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow. Dieser Schritt wird unterschiedlich interpretiert. Viele Historiker sehen darin ein Signal Stalins an Hitler. Litwinow hatte fĂŒr eine AuĂenpolitik der âkollektiven Sicherheitâ gestanden, also die Integration der UdSSR in das internationale System durch multilaterale VertrĂ€ge. Molotow hingegen galt als sowjetischer Nationalist mit pro-deutscher Neigung. Seine Ernennung habe Deutschland signalisiert, dass Litwinows AuĂenpolitik Vergangenheit sei und damit die VerstĂ€ndigung mit Deutschland eingeleitet.cite-ref-13[13] Sergej Slutsch sieht in der Absetzung des Juden Litwinow ein Signal des Entgegenkommens an den Antisemiten Hitler.cite-ref-14[14] FĂŒr Bianka Pietrow-Ennker machte Stalin Litwinow persönlich fĂŒr das Scheitern der kollektiven Sicherheitspolitik verantwortlich, das durch das MĂŒnchner Abkommen offenbar wurde.cite-ref-15[15] Jonathan Haslam zufolge hatte das Verhalten der Briten nur zu deutlich gemacht, dass die WestmĂ€chte die Sowjetunion mit Litwinow als AuĂenminister nicht als ebenbĂŒrtigen Partner mit anderen BĂŒndnisoptionen ansehen wĂŒrden.cite-ref-16[16] Damit wĂ€re Litwinows Entlassung ein Signal an die WestmĂ€chte gewesen. Geoffrey Roberts hĂ€lt es fĂŒr möglich, dass Molotow ernannt wurde, um die Politik einer Dreier-Allianz energischer zu verfolgen, da Litwinow den WestmĂ€chten bekanntermaĂen misstraute.cite-ref-17[17] Albert Resis weist darauf hin, dass Litwinow gegen Stalins Realpolitik gehandelt habe, als er eine Ăbereinkunft mit den WestmĂ€chten vorschlug, um Deutschland aufzuhalten. Dabei sei er den WestmĂ€chten aus stalinistischer Perspektive zu sehr entgegen gekommen und habe zugleich ein BĂŒndnis mit Deutschland ausgeschlossen.cite-ref-18[18]
Verhandlungen ĂŒber ein MilitĂ€rbĂŒndnis
Die WestmĂ€chte glaubten, dass ein Krieg vermieden werden könnte und die Sowjetunion militĂ€risch nach den GroĂen SĂ€uberungen geschwĂ€cht sei. Die Sowjetunion fĂŒrchtete andrerseits eine kapitalistische Einkreisung, hielt einen Krieg fĂŒr unvermeidlich und wenig von der polnischen Armee. Sie forderte militĂ€rische UnterstĂŒtzung, wenn von ihr in einem möglichen Krieg erwartet wĂŒrde, eine zweite Front gegen Deutschland zu eröffnen.cite-ref-19[19] In den Verhandlungen ging es deshalb um die Absicherung eines MilitĂ€rbĂŒndnisses und die Kooperation der osteuropĂ€ischen VerbĂŒndeten der WestmĂ€chte. Ăber den FrĂŒhsommer 1939 kamen die WestmĂ€chte den sowjetischen Forderungen sukzessive entgegen.cite-ref-20[20] Als Knackpunkt erwies sich die Frage nach einer gemeinsamen Garantie fĂŒr die baltischen Staaten durch die WestmĂ€chte und die Sowjetunion. Letzterer erschien dies unverzichtbar, nachdem Estland und Litauen Anfang Juni Nichtangriffspakte mit Deutschland geschlossen hatten (Deutsch-Estnischer Nichtangriffspakt, Deutsch-Litauischer-Nichtangriffspakt).cite-ref-21[21] Eine MilitĂ€rmission des deutschen Generalstabschefs Franz Halder nach Estland und Finnland Ende Juni 1939 sorgte fĂŒr zusĂ€tzliche Beunruhigung auf sowjetischer Seite.cite-ref-22[22] Die Tendenz dieser LĂ€nder, sich an Deutschland anzulehnen, nĂ€hrte aus Moskauer Sicht die Furcht, die baltischen Staaten und Finnland könnten in ein Aufmarschgebiet Deutschlands umgewandelt werden.cite-ref-23[23] Die VorschlĂ€ge der WestmĂ€chte waren hingegen bewusst vage gehalten, da man insbesondere in GroĂbritannien nicht bereit war, zur Abschreckung einer deutschen Ostexpansion eine sowjetische Hegemonie im Baltikum zu riskieren.cite-ref-haslam221-24-0[24]
Am 1. Juli stimmten die britischen und französischen UnterhĂ€ndler zu, die baltischen Staaten in ein geheimes Zusatzprotokoll aufzunehmen.cite-ref-roberts403-25-0[25] Der sowjetische Entwurf vom 3. Juli 1939 fĂŒhrte den Begriff der âindirekten Aggressionâ gegen einen der garantierten Staaten ein.cite-ref-roberts403-25-1[25] Damit bezog sich Molotow auf den PrĂ€zedenzfall Tschechoslowakei, einen Staatsstreich oder einen von einem Aggressor erzwungenen politischen Kurswechsel.cite-ref-26[26] Die Briten waren entnervt ob der sowjetischen VerhandlungsfĂŒhrung und trauten der Sowjetunion ohne Weiteres zu, bei diesem Punkt auf ihren Vorteil bedacht zu sein.cite-ref-neilson1-27-0[27] Sie fĂŒrchteten, die Sowjetunion dadurch in die Lage zu versetzen, die baltische UnabhĂ€ngigkeit zu bedrohen. Die Franzosen waren in diesem Verhandlungspunkt kompromissbereiter.cite-ref-28[28] Die britischen und französischen UnterhĂ€ndler stimmten der sowjetischen Forderung zwar im Prinzip zu, wollten aber die Definition auf gewaltsame Aktionen beschrĂ€nken, durch die NeutralitĂ€t und UnabhĂ€ngigkeit der betroffenen Staaten aufgehoben wĂŒrden.cite-ref-roberts404-29-0[29] Insbesondere die Briten wollten in diesem Punkt hart bleiben. Bei dem Treffen am 17. Juli erhob Molotow die Forderung, das politische gleichzeitig mit einem militĂ€rischen Abkommen abzuschlieĂen.cite-ref-30[30]cite-ref-roberts404-29-1[29] Am 23. Juli erklĂ€rte er, die Frage der âindirekten Aggressionâ fĂŒr nachrangig und lösbar, wenn erst eine militĂ€rische Einigung erzielt wĂ€re. Zwei Tage spĂ€ter stimmten Briten und Franzosen zu, Verhandlungsdelegationen nach Moskau zu schicken.cite-ref-31[31]
Die Verhandlungen begannen am 12. August 1939 mit Verzögerung, weil die britisch-französische Delegation unter Admiral Reginald Drax und General AimĂ© Doumenc per Handelsschiff statt per Flugzeug oder Eisenbahn nach Moskau gereist war. Das MilitĂ€rabkommen scheiterte an der Frage, ob die Rote Armee im Fall einer deutschen Aggression durch Polen und RumĂ€nien marschieren dĂŒrfe. Der sowjetische VerhandlungsfĂŒhrer, Verteidigungsminister Woroschilow, hatte dieses Problem am 14. August aufgeworfen. WĂ€hrend die Delegation der WestmĂ€chte meinte, die Sowjetunion sollte die beiden betroffenen LĂ€nder fragen, forderte die Sowjetunion die WestmĂ€chte auf, fĂŒr eine entsprechende Zusage ihrer VerbĂŒndeten zu sorgen.cite-ref-roberts406f-32-0[32] Zumal die britisch-französischen EmissĂ€re keine Vollmachten besaĂen, völkerrechtlich bindende VertrĂ€ge abzuschlieĂen und auch nicht fĂŒr die polnische Regierung sprechen konnten, gerieten die Verhandlungen am 17. August in eine Sackgasse. In Erinnerung an den Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 wollte die Regierung in Warschau keine Durchmarschrechte gewĂ€hren. Die französische Regierung lieĂ Botschafter LĂ©on NoĂ«l mit höchster Dringlichkeit in Warschau nachfragen, doch AuĂenminister JĂłzef Beck lehnte jedes Entgegenkommen ab.cite-ref-33[33] In Polen wie den baltischen Staaten fĂŒrchtete man, dass, wĂ€ren die sowjetischen Truppen einmal im Land, man sie nie wieder loswerden wĂŒrde.cite-ref-34[34] AuĂerdem hielt man in Polen eine VerstĂ€ndigung zwischen Sowjets und Deutschen fĂŒr ausgeschlossen. Die Sowjetunion werde nie eine gemeinsame Grenze mit Deutschland akzeptieren.cite-ref-haslam221-24-1[24] Da Briten und Franzosen am 21. August demnach keine Zusagen machen konnten, wurden die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit vertagt und nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes hinfĂ€llig.cite-ref-roberts406f-32-1[32]
Deutsch-sowjetische Verhandlungen
Nach dem Abschluss des MĂŒnchner Abkommens war Stalin zunĂ€chst auf deutsche VorschlĂ€ge zur Wiederbelebung der Kredit- und Handelsbeziehungen eingegangen. Durch seinen Verzicht auf die Karpatho-Ukraine und seine zurĂŒckhaltende Reichstagsrede vom 30. Januar 1939 hatte Hitler seinerseits Entgegenkommen signalisiert. Auf einer Rede zum XVIII. Parteitag der WKP (B) am 10. MĂ€rz 1939 distanzierte sich Stalin öffentlich von der angeblichen britischen Kriegsplanung. Ob er mit dieser Rede auch ein Signal an Hitler senden wollte, ist in der Forschung umstritten.cite-ref-35[35]
Nach der deutschen âZerschlagung der Rest-Tschecheiâ konzentrierte sich die Sowjetunion auf die Sicherheit des östlichen Ostseegebiets. Weder die westlichen Regierungschefs noch die Regierungen der baltischen Staaten oder Finnlands gaben dabei dem sowjetischen DrĂ€ngen nach einer MilitĂ€rkonvention nach, die sowjetischen Truppen Durchmarschrechte durch Polen und RumĂ€nien sowie StĂŒtzpunkte an der Ostsee sichern sollte. In der Zwischenzeit lehnte es die Sowjetunion im GesprĂ€ch mit der deutschen Seite ab, die eine gegen die andere Seite auszuspielen, wĂ€hrend Deutschland immer neue Angebote an die Sowjetregierung herantrug, wie sie ihre Interessen wahren könnte. Im Grunde waren jedoch die sowjetischen Interessen an einem deutschen Nichtangriffsversprechen, an beidseitigen GarantieerklĂ€rungen fĂŒr die baltischen Staaten und an einer deutschen VerzichtserklĂ€rung auf die ostpolnischen Gebiete einerseits und Hitlers Interesse an einem Abkommen zur bedingungslosen NeutralitĂ€t der UdSSR andererseits, das er fĂŒr seine KriegsplĂ€ne brauchte, zu unterschiedlich. Im Juli 1939 sah es indes so aus, als ob sich GroĂbritannien auf Ausgleichsverhandlungen mit Deutschland einlassen wollte, wĂ€hrend der Japanisch-Sowjetische Grenzkonflikt eskalierte. Deutschland hatte zudem die Kontakte mit sowjetischen Randstaaten verbessert und Nichtangriffspakte mit Estland, Lettland und Litauen abgeschlossen. Bewegung kam schlieĂlich in die GesprĂ€che, als die Regierungen Frankreichs und GroĂbritanniens eine Anfrage der Sowjetunion bezĂŒglich der MilitĂ€rkonvention am 14. August 1939 unbeantwortet lieĂen. Am 15. August ging Molotow im GesprĂ€ch mit Botschafter Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg erstmals auf die deutschen VorschlĂ€ge ein.cite-ref-36[36] Die entscheidenden Kontakte zwischen der deutschen und der sowjetischen Regierung fanden dabei wohl nach dem Abschluss eines politischen Abkommens zwischen der Sowjetunion und den WestmĂ€chten am 24. Juli und vor der Aufnahme der Verhandlungen um ein militĂ€risches Beistandsabkommen am 12. August statt. Die Initiative ging dabei von deutscher Seite aus, da der Operationsplan fĂŒr den âFall WeiĂâ sie unter Zeitdruck setzte.cite-ref-37[37]
Am 15. August verlas Schulenburg eine ErklĂ€rung Ribbentrops vom Vortag, dass Deutschland gegenĂŒber der UdSSR auf Gewalt verzichten, Territorialfragen regeln und gegenseitige âLebensrĂ€umeâ anerkennen wĂŒrde. Darauf teilte am 17. August Molotow mit, die Sowjetunion wĂŒnsche den âAbschluĂ eines Nichtangriffspaktes oder die BestĂ€tigung des NeutralitĂ€ts-Pakts von 1926â mit einem speziellen Protokoll ĂŒber die Interessen der vertragschlieĂenden Parteien als Teil des Vertrags.cite-ref-38[38] Nach GesprĂ€chen ĂŒber Details ĂŒberbrachte Botschafter Schulenburg AuĂenminister Molotow am 17. August eine Note, in der die Deutschen ihre Bereitschaft zum Nichtangriffspakt schriftlich zum Ausdruck brachten, dem ein vertrauliches Sonderprotokoll bezĂŒglich der InteressensphĂ€ren beigelegt werden solle. In Anlehnung an die mĂŒndlichen Vereinbarungen Molotows und Schulenburgs fertigte Friedrich Gaus, der Leiter der Rechtsabteilung im AuswĂ€rtigen Amt, den Text des spĂ€teren Vertragswerkes an, den Ribbentrop am 23. August 1939 mit nach Moskau brachte.cite-ref-39[39]
ZunĂ€chst wurde in Berlin am 19. August der bereits seit Monaten vorverhandelte Deutsch-Sowjetische Wirtschaftsvertrag ĂŒber sowjetische Rohstofflieferungen fĂŒr das Deutsche Reich abgeschlossen. In diesem rĂ€umte das Reich der Sowjetunion einen Kreditrahmen von 200 Millionen Reichsmark (sieben Jahre Laufzeit) im Gegenzug fĂŒr Rohstofflieferungen in der Höhe von 180 Millionen Reichsmark (innerhalb von zwei Jahren) ein.cite-ref-40[40]
Am selben Tag noch teilte Molotow Berlin mit, die sowjetische Regierung sei nun bereit, AuĂenminister Ribbentrop am 26. und 27. August zur Ratifizierung eines Nichtangriffspaktes zu empfangen. Am 20. August schickte Hitler ein Telegramm an Stalin, in dem er eine âunertrĂ€glichâ gewordene âSpannung zwischen Deutschland und Polenâ konstatierte, aufgrund der âjeden Tag eine Krise ausbrechen kannâ. Damit offenbarte er seine Kriegsbereitschaft und den selbstgesetzten Zeitdruck. Stalin kam zu dem Schluss, dass ein Vertrag mit dem Deutschen Reich vorteilhafter werden wĂŒrde als ein Vertrag mit den WestmĂ€chten. In dem Telegramm vom 21. August schrieb er indirekt antwortend, dass der Abschluss eines Nichtangriffsvertrags die âGrundlage fĂŒr die Liquidierung der politischen Spannungâ schaffe.cite-ref-41[41]cite-ref-42[42] Am 21. August ĂŒberbrachte Schulenburg Molotow eine Eilbotschaft Hitlers an Stalin, Ribbentrop könnte sich bereits in den nĂ€chsten beiden Tagen zur AbklĂ€rung letzter Details und zur Ratifizierung nach Moskau begeben, worauf Ribbentrops Ankunft von Stalin auf den 23. August festgelegt wurde.cite-ref-43[43] Die deutsche Delegation wurde um 18 Uhr von der sowjetischen Seite empfangen. Letzte Vertragsdetails wurden auf der Basis eines Entwurfes noch verhandelt. Das geheime Zusatzprotokoll beanspruchte den gröĂten Zeitanteil. Der das Datum 23. August tragende deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt wurde anschlieĂend nach Mitternacht am 24. August 1939 durch Ribbentrop und Molotow in Moskau unterzeichnet. Mit dem Eingehen auf ein geheimes Zusatzprotokoll akzeptierte die Sowjetunion auf Wunsch Deutschlands eine «bourgeoise» Geheimdiplomatie, die gegen die Offenheit völkerrechtlicher Abmachungen im Sinne Lenins Dekret ĂŒber den Frieden verstieĂ.cite-ref-44[44] Ăber den Vertragsschluss unterrichtete der deutsche AuĂenminister telefonisch gegen 2 Uhr morgens Hitler. Am selben Tag berichteten Prawda und Iswestija auf ihrer Titelseite ĂŒber den Vertrag.cite-ref-45[45]
Inhalt
Nichtangriffsvertrag
Der Vertrag umfasste fĂŒnf Artikel. Im ersten Artikel verzichtete man unter Berufung auf den Berliner Vertrag von 1926 wechselseitig auf jegliche Gewaltanwendung. Artikel II versprach die gegenseitige NeutralitĂ€t im Fall eines Krieges. Artikel III sah Konsultationen im Falle von Meinungsverschiedenheiten vor, Artikel IV schloss die Teilnahme an einer gegen den jeweiligen Vertragspartner gerichteten MĂ€chtegruppierung aus, Artikel V formulierte die Absicht, etwaige Konflikte freundschaftlich beizulegen.cite-ref-46[46] Die Laufzeit betrug zehn Jahre. Anders als die NichtangriffsvertrĂ€ge, die die Sowjetunion unter AuĂenminister Litwinow unter anderem mit Finnland, Lettland, Estland und Polen geschlossen hatte, enthielt der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt nicht die Klausel, dass er automatisch auĂer Kraft trat, wenn eine der beiden vertragschlieĂenden Parteien einen Drittstaat angriff. Dieses Fehlen gab dem Deutschen Reich volle Handlungsfreiheit gegen Polen.cite-ref-47[47]
Vertragstext und Zusatzprotokoll lagen einigen westlichen Diplomaten in Moskau bereits wenige Stunden nach Vertragsabschluss im Wortlaut vor.cite-ref-48[48]
Geheimes Zusatzprotokoll
In einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbarten beide LĂ€nder die Aufteilung Polens, des Baltikums und Bessarabiens in deutsche und sowjetische InteressensphĂ€ren fĂŒr den Fall, dass es zu âterritorial-politischen Umgestaltungenâ kommen sollte. Die vier Punkte des Zusatzprotokolls sahen dabei Folgendes vor:
1. Bei den baltischen Staaten (zu denen damals auch Finnland gerechnet wurdecite-ref-49[49]) sollten diese âInteressensphĂ€renâ durch die Nordgrenze Litauens abgegrenzt werden;cite-ref-50[50] Lettland, Estland und Finnland sollten in der sowjetischen InteressensphĂ€re liegen, Litauen in der deutschen.
2. Das Staatsgebiet Polens wurde entlang der Linie der FlĂŒsse Narew, Weichsel und San in zwei InteressensphĂ€ren geteilt. âOb die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhĂ€ngigen polnischen Staates erwĂŒnscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wĂ€reâ, das sollte erst âim Laufe der weiteren politischen Entwicklung geklĂ€rt werdenâ.
3. Hinsichtlich SĂŒdosteuropas betonte die Sowjetunion ihr Interesse an Bessarabien, wĂ€hrend die deutsche Seite âdas völlige politische Desinteresse an diesen Gebietenâ erklĂ€rte.
4. Das Zusatzprotokoll sollte von beiden vertragsschlieĂenden Parteien âstreng geheim behandelt werdenâ.
Da Hitler damit rechnete, GroĂbritannien werde sein Garantieversprechen gegenĂŒber Polen nicht einhalten und das Deutsche Reich könne nach dem geplanten Ăberfall auf Polen zu einem diplomatischen Arrangement mit den WestmĂ€chten kommen, wurde ausdrĂŒcklich offengelassen, ob ein unabhĂ€ngiges Restpolen fortbestehen sollte und wie dessen Grenzen sein sollten.cite-ref-51[51]
Zentrale Dokumente zur deutsch-sowjetischen Zusammenarbeit wie die deutschen EntwĂŒrfe zum Nichtangriffsvertrag und den Vertragsverhandlungen wurden streng geheim gehalten und im Zuge einer generellen deutschen Vernichtung geheimer Dokumente auf Weisung Ribbentrops vernichtet.cite-ref-52[52] Erhalten blieb auf deutscher Seite das Original der Landkarte zur Teilung Polens mit den Unterschriften Stalins und Ribbentrops. Der Legationsrat Karl von Loesch rettete Filmrollen vor der Vernichtung, darunter Kopien des Vertrages, und ĂŒbergab sie den Westalliierten zur Sichtung. Die Filmrollen wurden Ende der 1950er-Jahre an das AuswĂ€rtige Amt in Bonn zurĂŒckgegeben.cite-ref-53[53]
WĂ€hrend des NĂŒrnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher berichteten 1946 mehrere Zeugen (u. a. der ehemalige StaatssekretĂ€r Ernst Freiherr von WeizsĂ€cker) von dem Geheimen Zusatzprotokoll, die sowjetische Anklagevertretung bestritt jedoch dessen Existenz. Das Dokument selbst lag der Verteidigung nicht vor. In der westlichen Presse wurde der Wortlaut des Zusatzprotokolls veröffentlicht.cite-ref-54[54] In den folgenden fast fĂŒnf Jahrzehnten bezeichnete die Regierung der UdSSR Hinweise auf das Protokoll als antisowjetische Verleumdung.cite-ref-erstpublikation-55-0[55]
Das geheime Zusatzprotokoll verschaffte der Sowjetunion Territorien, welche die Verhandlungen mit den westlichen MĂ€chten nicht bieten konnten. So konnten die nach dem Ersten Weltkrieg erlittenen Gebietsverluste rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden und es wurde eine Sicherheitszone möglich, die den Krieg von Moskau fernhielt. In der sowjetischen Geschichtsschreibung wurde lange Zeit gelehrt, dass die UdSSR den Hitler-Stalin-Pakt bloĂ geschlossen habe, um den Angriff Hitlers hinauszuzögern. Um diese These zu stĂŒtzen, wurde das Zusatzprotokoll geheim gehalten, denn es bewies, dass beide Diktatoren bei allen ideologischen GegensĂ€tzen doch den Willen zur politischen und ideologischen Expansion teilten.cite-ref-56[56] Die Kreml-FĂŒhrung verbot sowjetischen Historikern jegliche ErwĂ€hnung.cite-ref-57[57]
In den spÀten 1980er Jahren war der Text weit bekannt, weil er einerseits in staatlich zensierten Publikationen in Polen und in den baltischen Sowjetrepubliken schon publiziert, aber auch im Samisdat schon oftmals gedruckt und verbreitet worden war.cite-ref-58[58]
1989 forderten Abgeordnete aus den drei baltischen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen auf dem Volksdeputiertenkongress in Moskau den sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow auf, das sowjetische Original des Dokuments vorzulegen. Gorbatschow erklĂ€rte damals, dass es ein solches Dokument nicht gebe. In den Archiven des Kremls sei nichts dazu vorhanden. Daraufhin publizierten sowjetische Zeitungen 1989 das Exemplar des geheimen Zusatzprotokolls, das vom Bundesarchiv veröffentlicht worden war.cite-ref-59[59] Nach den Memoiren seines Kanzleichefs Waleri Boldin hatte Gorbatschow das Dokument sehr wohl zuvor in den HĂ€nden gehabt, habe ihn aber angewiesen, darĂŒber absolutes Stillschweigen zu bewahren.cite-ref-60[60]
Bei der Ăbergabe seiner ArbeitsrĂ€ume im Dezember 1991 an den neuen Kremlchef Boris Jelzin rĂ€umte Gorbatschow ein, dass es dieses zuvor in den Archiven des KPdSU-Zentralkomitees lagernde Dokument sehr wohl gebe, und entsiegelte die Mappe, in der es sich befand. Jelzin gab wenig spĂ€ter bekannt, dass das lang gesuchte Dokument gefunden wurde.cite-ref-61[61] Im Jahr 1993 wurde es in Russland erstmals in der Zeitschrift Nowaja i nowejschaja istorija veröffentlicht.cite-ref-erstpublikation-55-1[55]
Historische Bewertung
Bewertung der sowjetischen AuĂenpolitik
Bei der Bewertung der Verhandlungen im Vorfeld des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt sind Historiker geteilter Meinung. Wie ernsthaft verhandelte Stalin mit den WestmĂ€chten? Haben die Briten ein BĂŒndnis effektiv verhindert oder hielt Stalin eine Ăbereinkunft fĂŒr unmöglich? Wollte Stalin von Anfang an eher ein BĂŒndnis mit Deutschland? Die Beantwortung dieser Fragen stöĂt auf das Quellenproblem, dass Stalin sich so wenig wie möglich öffentlich zu auĂenpolitischen Fragen Ă€uĂerte.cite-ref-62[62] Nach der offiziellen sowjetischen Lesart bemĂŒhte sich allein die Sowjetunion mit ihrem Prinzip der kollektiven Sicherheit darum, Europa vor dem Faschismus zu schĂŒtzen. Die westlichen Demokratien hĂ€tten diese Politik aber schon durch das MĂŒnchner Abkommen scheitern lassen.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64] Alexander Tschubarjan weist darauf hin, dass ein Teil der russischen Historiker den rechtswidrigen und unmoralischen Charakter des Geheimen Zusatzprotokolls konzediere, das der Oberste Sowjet bereits wĂ€hrend der Perestroika als im Widerspruch zu den Normen des Völkerrechts offiziell verurteilt habe. Er kritisiert zugleich âdie Tendenz âŠ, das Nazi-Regime in Deutschland und die Sowjetunion in eine Reihe zu stellenâ und zu vergleichen. Seiner Ansicht nach sind die Ereignisse im August und September 1939 aus der damaligen geopolitischen Sicht sowie den nationalen und Sicherheitsinteressen der Sowjetunion zu verstehen. Moskau habe sich von Feinden umzingelt gefĂŒhlt und dem DrĂ€ngen Hitlers nachgegeben, der nun auch Moskau habe neutralisieren wollen. Tschubarjan verweist auf die âunflexible Haltungâ polnischer Regierungskreise, die der Sowjetunion Durchmarschrechte verweigerten, und darauf, dass die Sowjetunion Ostpolen nicht besetzt, sondern umgehend eingegliedert habe. Stalin habe darauf gesetzt, dass sich Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien gegenseitig schwĂ€chen und aufzehren wĂŒrden.cite-ref-65[65]
Zur Frage, warum und wann Stalin sich zu einem BĂŒndnis mit Hitler entschloss, existieren seit den 1950er Jahren im Wesentlichen zwei Meinungen. Auf der einen Seite wird die VerstĂ€ndigung mit Deutschland als eigentliches Ziel der sowjetischen AuĂenpolitik der 1930er-Jahre gesehen.cite-ref-66[66] Demnach hĂ€tten beide Diktaturen Ă€hnliche Ziele verfolgt, nĂ€mlich maximalen territorialen Erwerb und Herrschaft ĂŒber ihre Nachbarstaaten und die Welt. Fortdauernden auĂenpolitischen Zielen und Aspekten wird in dieser Interpretation betrĂ€chtliche Autonomie gegenĂŒber innenpolitischen ErwĂ€gungen zugewiesen.cite-ref-67[67] Unter totalitarismustheoretischen PrĂ€missen, die eine Wahlverwandtschaft beider Diktaturen konstatieren, wird die VerstĂ€ndigung auf die Zeit um das Jahr 1933 datiert. Wird die Lehre der Weltrevolution als Antrieb der sowjetischen AuĂenpolitik betont, erscheint die besondere Beziehung zwischen der Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Deutschland als Erbe des internationalen Sozialismus. Die Kontakte zwischen beiden Diktaturen erreichten demnach im Nichtangriffspakt ihre eigentliche Bestimmung.cite-ref-68[68]
Gerhard L. Weinberg argumentiert, dass Stalin stets eine Allianz mit Hitler bevorzugte.cite-ref-69[69] Hermann Graml glaubt, dass Stalin die zurĂŒckhaltenden Deutschen aus der Reserve locken wollte und zugleich gegenĂŒber den WestmĂ€chten aus taktischen GrĂŒnden Forderungen erhob, von denen er wusste, dass sie diese nicht annehmen könnten. Stalin habe gehofft, einen Krieg zwischen Deutschland und den WestmĂ€chten fĂŒr imperialistische VorstöĂe auszunutzen. Die Verhandlungen mit den WestmĂ€chten habe er gerade mit der Ernsthaftigkeit betrieben, die es brauchte, um Hitler anzulocken und dazu zu bringen, auf die sowjetischen Avancen einzugehen. Seit Mitte April hĂ€tten die GesprĂ€che aber keine ernsthafte Bedeutung mehr gehabt.cite-ref-70[70]
Auch Sergej Slutsch meint, dass Stalin ein BĂŒndnis mit Hitler seit langem grundsĂ€tzlich bevorzugte.cite-ref-slutsch80-71-0[71] FĂŒr ihn stellt die AuĂenpolitik der âkollektiven Sicherheitâ nur âeine bequeme Camouflage fĂŒr die Generallinie der Stalinschen Strategieâ dar, im Sinne der marxistisch-leninistischen Lehre âdie Welt [zu] spalten und Staaten gegeneinander auf[zu]hetzenâ.cite-ref-72[72] Ein mögliches Abkommen mit den WestmĂ€chten habe Stalin als Druckmittel gegen Deutschland genutzt, ohne durch die GesprĂ€che mit den WestmĂ€chten in einen Krieg âhineinschlitternâ zu wollen.cite-ref-slutsch80-71-1[71] Er habe die SchwĂ€che und Inkonsequenz der WestmĂ€chte ausnutzen und vom ersten Tag an die GesprĂ€che der MilitĂ€rmissionen in eine Sackgasse fĂŒhren wollen.cite-ref-73[73]
Verfechter der PrĂ€ventivkriegsthese sehen in der Politik Stalins ein Vabanquespiel, um den Krieg auszulösen.cite-ref-74[74] Viktor Suworow etwa meint, es sei Stalins Absicht gewesen, Hitler durch den Pakt in einen Krieg mit den WestmĂ€chten zu treiben, um die ausgebluteten Staaten anschlieĂend dem kommunistischen Machtbereich einzuverleiben. Solche Interpretationen werden dem Osteuropahistoriker Manfred Hildermeier zufolge von der Fachwissenschaft als nicht belegbar und spekulativ verworfen.cite-ref-h139-75-0[75] In diese Richtung argumentieren beispielsweise Richard C. Raack und Robert C. Tucker. Ihrer Ansicht nach wollte Stalin einen Krieg so sehr wie Hitler, weil er einen Abnutzungskrieg zwischen den kapitalistischen Staaten erwartete, der zu Revolutionen fĂŒhren und das Eingreifen der Roten Armee ermöglichen wĂŒrde.cite-ref-76[76]cite-ref-77[77]
Auf der anderen Seite argumentieren Historiker, dass sich die sowjetische AuĂenpolitik im Zuge des Ăbergangs zum âAufbau des Sozialismus in einem Landâ neu orientierte. Die Absicherung der Sowjetunion durch bilaterale Nichtangriffsvereinbarungen habe zunehmend PrioritĂ€t bekommen. Diese Interpretation geht von einem engen Zusammenhang zwischen innerer und Ă€uĂerer Entwicklung aus und setzt betrĂ€chtlichen sowjetischen Pragmatismus voraus.cite-ref-78[78] Statt die Tradition eines ideologisch begrĂŒndeten Expansionismus fortzufĂŒhren oder von einer WesensĂ€hnlichkeit der Systeme geleitet zu sein, sei Stalins AuĂenpolitik rational und zweckorientiert gewesen, um die Unversehrtheit der Sowjetunion zu sichern.cite-ref-79[79] Nach der BrĂŒskierung durch den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt 1934 habe die Sowjetunion eine Politik der multilateralen Absicherung verfolgt und das BemĂŒhen um eine VerstĂ€ndigung mit den WestmĂ€chten erst 1939 aufgegeben. Das BĂŒndnis mit Deutschland sei zwar ein Offensivpakt gewesen, habe aber die Möglichkeit eröffnet, sich aus dem Kampf zwischen den âkapitalistischen MĂ€chtenâ so lange wie möglich herauszuhalten. So habe Stalin Polen dem deutschen Angriff ausgeliefert und selbst freie Hand fĂŒr die Unterwerfung der baltischen Staaten, Bessarabiens und Finnlands bekommen, also fĂŒr die Wiederherstellung der Grenzen des zarischen Imperiums und im Falle der Nordbukowina darĂŒber hinaus. Dass er selbst bald die UnterstĂŒtzung starker VerbĂŒndeter gegen die nationalsozialistische Aggression brauchen werde, habe Stalin ausgeschlossen.cite-ref-80[80] Dabei bleibt offen, ob dies als RĂŒckwendung zur imperialen GroĂmachtpolitik des 19. Jahrhunderts zu verstehen ist oder als ungehemmter Ausfluss schon immer avisierter ideologischer Ziele.cite-ref-h139-75-1[75]
Manfred Hildermeier neigt der Interpretation zu, die Sowjetunion habe sich um âkollektive Sicherheitâ bemĂŒht, will sich aber nicht dem Einwand verschlieĂen, die sowjetische AuĂenpolitik sei widersprĂŒchlich und inkonsequent gewesen, so dass die Hauptziele, gröĂtmögliche Garantie gegen eine eigene Kriegsbeteiligung einerseits und das Streben nach maximalem territorialen Gewinn andererseits, einander nicht ausschlossen.cite-ref-81[81] Den 1940 noch gesteigerten territorialen Hunger der Sowjetunion sieht er in groĂrussisch-imperialer Tradition, wobei es um die RĂŒckgewinnung zarischen Territoriums gegangen sei.cite-ref-82[82] Pietrow-Ennker begreift die stalinistische AuĂenpolitik als klassische GroĂmachtpolitik und die deutsch-sowjetische Zusammenarbeit ab September 1939 als ergriffene Chance zur Verschiebung der Grenzen und zum Export des Sowjetsystems.cite-ref-83[83] FĂŒr Gerhard Wettig hatte Stalin bis August 1939 keine andere Möglichkeit, als mit den WestmĂ€chten zu verhandeln, hoffte aber, ein Angebot Hitlers herbeizufĂŒhren, von dem er sich mehr Entgegenkommen bei seinen ExpansionsplĂ€nen versprach.cite-ref-84[84] Stefan Creuzberger sieht bei Stalin expansive macht- statt defensive sicherheitspolitische Motive am Werk. Die VerstĂ€ndigungsbereitschaft mit den WestmĂ€chten stehe in einem zweifelhaften Licht, weil Molotow parallel am 11. August die GesprĂ€che mit Deutschland billigte. Noch vor der entscheidenden Phase der Verhandlungen mit den WestmĂ€chten habe man in Moskau entschieden, auf die deutsche Karte zu setzen.cite-ref-85[85]
Interpreten beider Richtungen stimmen darin ĂŒberein, dass die Stalinsche AuĂenpolitik der Lehre Lenins von dem unaufhebbaren Gegensatz zwischen Kapitalismus und Sozialismus folgend von einer feindlichen Umzingelung der Sowjetunion durch kapitalistische Staaten ausging. Dementsprechend legte Stalin obersten Wert darauf, sich aus den vermeintlich unausweichlichen kriegerischen Auseinandersetzungen im kapitalistischen Lager herauszuhalten. Bis zum Ăberfall auf die Sowjetunion orientierte sich Stalin an seiner schon 1925 geĂ€uĂerten Maxime, als Letzter in den Ring treten zu wollen. Nach ĂŒberwiegender Forschungsmeinung wollte er bei allem Ă€uĂerem Machthunger und ExpansionsgelĂŒsten keinesfalls einen Krieg beginnen. Auch wenn er durch die forcierte Industrialisierung versuchte, sein Land auf den fĂŒr unvermeidlich gehaltenen Endkampf gegen den Kapitalismus vorzubereiten und im Umfeld wachsender internationaler Spannung seit 1936 mehr und mehr Ressourcen in die RĂŒstung und den personellen Ausbau der Armee lenkte, wollte er diesen Kampf doch so lange wie möglich hinausschieben.cite-ref-86[86] Auch zwang der Hitler-Stalin-Pakt Japan, die Niederlage im japanisch-sowjetischen Grenzkonflikt einzugestehen und bannte damit aus sowjetischer Sicht die Gefahr eines Zweifrontenkrieges in Ostasien und Europa.cite-ref-87[87]
Historiker, welche die sowjetische AuĂenpolitik der âkollektiven Sicherheitâ ernst nehmen, wie Teddy J. Uldricks, verweisen dazu auf den enormen Aufwand, den sowjetische Politiker wĂ€hrend der 1930er-Jahre zu deren Umsetzung getrieben hĂ€tten.cite-ref-88[88] Uldricks sieht nur eine auĂenpolitische Linie der Sowjetunion, nĂ€mlich das Streben nach Machtbalance. Die Annahme, dass alle imperialistischen MĂ€chte der Sowjetunion feindlich gesinnt seien, habe das Streben nach einer Allianz mit den WestmĂ€chten wie mit Hitler gleichermaĂen motiviert.cite-ref-89[89] Geoffrey Roberts kritisiert, dass die sowjetische AuĂenpolitik lange auf der Grundlage deutscher Quellen geschrieben worden sei.cite-ref-90[90] Aus sowjetischer Sicht habe Deutschland um die Sowjetunion geworben und die Sowjetunion erst ab Ende Juli 1939 darauf reagiert.cite-ref-91[91] Historisch begrĂŒndetes Misstrauen der Sowjets gegenĂŒber WestmĂ€chten sei vor allem durch die britische VerhandlungsfĂŒhrung bestĂ€rkt worden. Man habe den Sowjets nicht die Sicherheitsgarantien gegeben, die diese nicht ohne Berechtigung forderten. Roberts wundert sich, dass die sowjetischen Verhandlungen mit den WestmĂ€chten ĂŒberhaupt so weit gediehen.cite-ref-92[92] Auch fĂŒr Michael Jabara Carley waren weder Franzosen noch Briten bereit, die notwendigen ZugestĂ€ndnisse zu machen, d. h. ein klares, wasserdichtes militĂ€risches BĂŒndnis mit der Sowjetunion zu schlieĂen.cite-ref-93[93] Stalin sei ein Zyniker gewesen, der niemandem vertraut und sich Zeit habe erkaufen wollen, aber er sei kein Ideologe gewesen.cite-ref-carley333-94-0[94] Carley identifiziert dagegen als wichtigstes Element der anglo-französischen Politik den Antibolschewismus. Man habe in London und Paris das Prestige gefĂŒrchtet, das die Sowjetunion durch eine Dreierallianz gewonnen hĂ€tte.cite-ref-carley333-94-1[94]
FĂŒr Ingeborg Fleischhauer hatten sich die auĂenpolitischen Optionen der Sowjetunion auf ein Arrangement mit Deutschland verengt, nachdem Polen einen Beistandspakt abgelehnt hatte und die WestmĂ€chte die Berechtigung des sowjetischen strategischen Konzepts nicht anerkannt hatten. Stalins auĂenpolitische Entscheidungen seien vom âkĂŒhle[n] und beherrschte[n], wenig wendige[n] Verstand sowie de[m] kaltblĂŒtige[n], defensive[n] Pragmatismus des Realpolitikersâ bestimmt gewesen. Sein staatsmĂ€nnisches Interesse sei eine Beschwichtigungspolitik gewesen, um die Sowjetunion aus einem Krieg herauszuhalten.cite-ref-95[95] Gabriel Gorodetsky meint, GroĂbritannien habe die fundamentalen SicherheitsbedĂŒrfnisse der Sowjetunion nicht erfĂŒllt. Der Realpolitiker Stalin sei deshalb gezwungen gewesen, den Ausgleich mit Hitler zu suchen, da er gewusst habe, wie sehr dieser zum Krieg entschlossen ist. Stalin habe die Gelegenheiten, die sich ihm boten, ausgenutzt, aber nicht primĂ€r Expansionsideen angehangen oder sich an leninistischer Ideologie orientiert.cite-ref-96[96]
Zara Steiner sieht keine abschlieĂenden Antworten auf die Frage, ob Stalin eine Allianz gegen Hitler oder mit Hitler bevorzugte. Jedenfalls habe er GroĂbritannien und Polen misstraut.cite-ref-97[97] Auf der britischen Seite sieht sie nur die Bereitschaft, ĂŒber die militĂ€rische Abschreckung Deutschlands zu reden, nicht aber ĂŒber militĂ€rische Kooperation mit der Sowjetunion. Dadurch hĂ€tten die WestmĂ€chte Stalin nicht den Eindruck vermitteln können, dass sie zum Krieg bereit seien, sollte Deutschland angreifen.cite-ref-98[98] Trotz Warnungen, dass die Sowjets mit den Deutschen verhandelten, habe man angenommen, die Sowjetunion wĂŒrde eher die Isolation wĂ€hlen als ein BĂŒndnis mit Deutschland.cite-ref-99[99] FĂŒr Jonathan Haslam spiegelten sich die Politik Chamberlains und Stalins: Wenn Stalin glaubte, Chamberlain wolle die Deutschen nach Osten lenken, sei es fĂŒr ihn gerechtfertigt gewesen, sie seinerseits nach Westen zu lenken. Stalin habe sich deshalb nicht nur passiv verhalten. Das belege aber noch nicht, dass er Krieg wollte, sondern möglicherweise ein grundsĂ€tzliches Misstrauen. Er habe alles der persönlichen Macht untergeordnet. DafĂŒr sei es aber essenziell, auch WidersprĂŒche hinzunehmen.cite-ref-100[100]
Bewertung der deutschen AuĂenpolitik
Hitler war der Pakt ideologisch zuwider, dem stand jedoch der Vorteil der Verwirklichung seiner ExpansionsplĂ€ne in Polen gegenĂŒber. Weiterhin war aus Sicht des Deutschen Reichs ein drohendes BĂŒndnis zwischen der Sowjetunion und GroĂbritannien abgewendet worden.cite-ref-101[101] Ein Zweifrontenkrieg sollte unbedingt verhindert werden.cite-ref-102[102] FĂŒr seinen âLebensraumkriegâ gegen die Sowjetunion brauchte er eine gemeinsame Grenze mit diesem Staat, die er durch BĂŒndnis, Besetzung und sogar Ăberlassung von Anrainerstaaten schuf. Die offerierten strategisch bedeutenden Gebiete plante er spĂ€ter wieder vertragsbrĂŒchig einzunehmen. Dadurch lieferte er de facto weitere LĂ€nder Ostmittel- und SĂŒdosteuropas mittelfristig dem sowjetkommunistischen System aus.cite-ref-103[103]
Hitler sah mit dem Nichtangriffsvertrag die Chance, bei einer von ihm unterstellten NeutralitĂ€t bzw. PassivitĂ€t der WestmĂ€chte seinen âeigentlichen Gegner, die Rote Armee niederzuwerfenâ. In diesem Falle bezweckte er das gesamte polnische Territorium zu besetzen und derart eine Erfolg versprechende Aufmarschposition gegen die UdSSR zu erreichen. Er hielt es fĂŒr möglich, so der MilitĂ€rhistoriker Rolf-Dieter MĂŒller, mit einer nach dem Ăberfall auf Polen installierten âneuen polnischen Regierung eine Zusammenarbeit vereinbaren zu könnenâ, um auf diesem Wege das von ihm schon vorher angestrebte, aber von Polen abgelehnte gemeinsame militĂ€rische Vorgehen gegen die Sowjetunion doch noch realisieren zu können. Dabei ging er von einem schnellen Zusammenbruch der UdSSR aus, so dass ein Krieg gegen die Rote Armee schon 1939 nicht zu fĂŒrchten sei.cite-ref-104[104]
Der Pakt schĂŒtzte die deutsche Wehrmacht vor dem gefĂŒrchteten Zweifrontenkrieg und erlaubte 1940 die Expansion nach Westeuropa und eine nationalsozialistische Vorherrschaft in Teilen Europas, was eine Verwirklichung der nationalsozialistischen EuropaplĂ€ne und der GroĂraumwirtschaft nĂ€herbrachte.cite-ref-105[105]
Folgen des Vertrages
Ăberfall auf Polen
â
Hauptartikel
:
Ăberfall auf Polen
und
Sowjetische Besetzung Ostpolens
Am 1. September 1939 begann Hitler den Ăberfall auf Polen unter dem Vorwand von Grenzverletzungen und des Schutzes deutscher Volksgruppen. Stalins Sowjetunion blieb zunĂ€chst offiziell neutral, dies machte Hitler sehr nervös. 3 Tage nach Kriegsbeginn ĂŒberbrachte von Ribbentrop Stalin eine Aufforderung sich absprachegemÀà die im Pakt vereinbarte Beute zu holen. Molotow erklĂ€rte dem deutschen Botschafter von Schulenburg mehrfach, dass die Sowjetunion noch auf den geeigneten Zeitpunkt wartet. Es sei fĂŒr die Sowjetunion zur âpolitischen Untermauerungâ des Vorgehens wichtig, erst loszuschlagen, wenn das politische Zentrum Polens, die Stadt Warschau, gefallen ist. Molotow drĂ€ngte daher von Schulenburg âso annĂ€hernd wie möglich mitzuteilen, wann mit Einnahme Warschaus zu rechnen ist.âcite-ref-106[106] Das Deutsche Reich reagierte genervt und lieĂ GerĂŒchte ĂŒber einen Waffenstillstand mit Polen verbreiten. Stalin sah das Risiko, dass er leer ausgehen könnte, und dies bewog ihn, doch schon vor der Kapitulation Warschaus am 17. September 1939 mit dem Krieg gegen Polen zu beginnen.cite-ref-107[107]
FĂŒr den verzögerten Kriegseintritt der Sowjetunion gab es im Wesentlichen zwei GrĂŒnde:
âą Zum einen wollte Stalins Propaganda die Sowjetunion als Friedensmacht und als Gegenentwurf zu den aggressiven imperialistischen KrĂ€ften prĂ€sentieren. Deshalb lieĂ man dem Deutschen Reich den Vortritt und die Gelegenheit, sich vor der Weltöffentlichkeit als Aggressor zu prĂ€sentieren. Die Sowjetunion hingegen wollte kommunizieren, als âFriedensmachtâ das âpolnische Volk aus diesem unglĂŒcklichen Krieg zu befreien, in welchen es durch unvernĂŒnftige FĂŒhrer gestĂŒrzt wurdeâ, und auĂerdem âzum Schutz der ukrainischen und weiĂrussischen BrĂŒderâ handeln zu mĂŒssen.cite-ref-108[108]
âą Der andere Grund war, dass Stalin die Reaktion von Frankreich und GroĂbritannien auf Hitlers Kriegshandlungen gegen Polen abwarten wollte. Als diese mit einem Sitzkrieg reagierten statt einen Entlastungsangriff zu starten, war sich Stalin sicher, dass ein sowjetischer Einmarsch in Polen die Sowjetunion nicht in einen Krieg mit den WestmĂ€chten verwickeln wĂŒrde.cite-ref-109[109]
Am 22. September 1939 unterzeichneten der deutsche MilitĂ€rattachĂ© Ernst-August Köstring und Kliment Woroschilow in Moskau ein MilitĂ€rabkommen, das auch Vereinbarungen ĂŒber die gemeinsame Abwehr und BekĂ€mpfung des polnischen Widerstandes umfasste. Die Wehrmacht verpflichtete sich in den Orten, die an die Rote Armee ĂŒbergeben wurden, ânotwendige MaĂnahmen zu treffen ⊠zur Vermeidung etwaiger Provokationen und Sabotageakte durch polnische Bandenâ. Die Rote Armee verpflichtete sich zur âVernichtung polnischer Truppenteile oder Banden, die sich auf dem Marschwege kleiner deutscher Truppenteile befindenâ.cite-ref-110[110]
Nachdem Polen militĂ€risch geschlagen war, ging die polnische Regierung am 17. September 1939 ins Exil, um den Kampf gegen Deutschland vom Ausland aus weiter zu fĂŒhren.
Teilung Polens
â
Hauptartikel
:
Deutsch-Sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag
und
Vierte Teilung Polens
Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt hatte das Misstrauen auf beiden Seiten nicht beseitigt. Stalin erklĂ€rte im kleinen Kreis: âNatĂŒrlich ist das alles nur ein Spiel, um festzustellen, wer wen besser betrĂŒgen kann. Ich weiĂ, was Hitler im Sinn hat. Er denkt, er hat mich ausgeschmiert. Dabei bin ich es, der ihn ausgeschmiert hat.âcite-ref-111[111] Sowohl Hitler als auch Stalin argwöhnten â jeweils völlig zu Recht â, dass der andere ein separates Abkommen mit den WestmĂ€chten anstrebte.cite-ref-112[112]
Nachdem die Grundlagen fĂŒr die deutsche Besetzung Polens und die sowjetische Besetzung Ostpolens gelegt waren, schlossen beide Seiten am 28. September 1939 (dem Tag, an dem die polnische Hauptstadt Warschau gegenĂŒber den Deutschen kapitulierte) einen Grenz- und Freundschaftsvertrag, der wie schon der Nichtangriffspakt aus einem öffentlichen Teil und einem geheimen Zusatzprotokoll bestand und der den Hitler-Stalin-Pakt komplettierte.cite-ref-113[113]cite-ref-114[114]
Dabei wurden die jeweiligen InteressensphĂ€ren nachjustiert. Stalin achtete bei den Vertragsverhandlungen darauf, dass die neue deutsch-sowjetische Grenze in Polen im Wesentlichen entlang der Curzon-Linie verlief.cite-ref-115[115] Harte Verhandlungen gab es um die Region Warschau. Im geheimen Zusatzprotokoll vom August war diese Region der Sowjetunion zugeschlagen worden. Stalin wollte die Sowjetunion jedoch jetzt nicht mehr mit dem Zentrum des polnischen Widerstandes belasten und stattdessen Litauen erhalten, mit dieser Forderung konnte er sich durchsetzen.cite-ref-116[116] Daher wurde die neue Grenzlinie an den Bug verschoben, wodurch Deutschland die gesamte Woiwodschaft Lublin und weitere Teile der Woiwodschaft Warschau erhielt. Deutschland verzichtete im Gegenzug auf das ursprĂŒnglich in seinem Einflussbereich liegende Litauen.cite-ref-117[117] Bei den in groĂer Hektik gefĂŒhrten Verhandlungen fĂŒr den Nichtangriffspakt hatte man zudem ĂŒbersehen, dass die vereinbarte Grenzlinie im Norden ungenau blieb. Auf sowjetische Bitten vom 25. August 1939 wurde als weiterer Grenzfluss die Pisa hinzugefĂŒgt, um die LĂŒcke zwischen dem Narew und der SĂŒdgrenze OstpreuĂens zu schlieĂen.cite-ref-118[118] Weiterhin gelang es Stalin, dass der Sowjetunion auch die ölreichen Gebiete um den Bezirk Borislaw-Drohobytsch zugeschlagen wurden. Das Deutsche Reich sollte als Kompensation sowjetische Ăllieferungen erhalten. Insgesamt ging Stalin als klarer Gewinner aus den Verhandlungen heraus.cite-ref-119[119]
Im zweiten geheimen Zusatzprotokoll wurde auch das bereits praxiserprobte gemeinsame Vorgehen gegen den polnischen Widerstand vereinbart: âBeide Teile werden auf ihren Gebieten keine polnische Agitation dulden, die auf die Gebiete des anderen Teiles hinĂŒberwirkt. Sie werden alle AnsĂ€tze zu einer solchen Agitation auf ihren Gebieten unterbinden und sich gegenseitig ĂŒber die hierfĂŒr zweckmĂ€Ăigen MaĂnahmen unterrichten.âcite-ref-120[120]
Als weiterer Punkt wurden Bevölkerungsumsiedlungen vereinbart. Die Initiative hierfĂŒr ging eindeutig vom Deutschen Reich aus, das die Volksdeutschen auf dem Gebiet der Sowjetunion âHeim ins Reichâ holen wollte. In die Gegenrichtung wurde die Umsiedlung von Ukrainern und WeiĂrussen in den sowjetischen Machtbereich vereinbart, auch wenn sich Stalins Interesse im Wesentlichen auf die Gewinnung von ArbeitskrĂ€ften und die Sicherstellung der Verhaftung ukrainischstĂ€mmiger Oppositioneller beschrĂ€nkte. Die Umsiedlungen sollten auf freiwilliger Basis erfolgen und innerhalb weniger Monate abgewickelt werden.cite-ref-121[121]
Neuordnung Osteuropas
Mit dem deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag im RĂŒcken wurden die baltischen Staaten gezwungen, sowjetische Truppen ins Land zu lassen. Estland unterzeichnete am 28. September 1939 das âBeistandabkommenâ mit der Sowjetunion, Lettland am 5. Oktober und Litauen am 10. Oktober 1939.
Weil er einen Angriff auf Leningrad von finnischem Territorium aus fĂŒrchtete, hatte Stalin bereits im April 1938 Verhandlungen mit der finnischen Regierung aufnehmen lassen und Grenzkorrekturen sowie StĂŒtzpunkte auf Hogland gefordert. Vor dem Hintergrund der finnischen öffentlichen Meinung und auch, weil sie die sowjetische MilitĂ€rmacht unterschĂ€tzte, lehnte die finnische Regierung gegen den Rat Carl Gustaf Emil Mannerheims jegliches Entgegenkommen ab. Stalin hatte deshalb schon Ende 1938 die Ausarbeitung von AngriffsplĂ€nen angeordnet. Nachdem Finnland durch den deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt komplett isoliert war und die Sowjetunion die NichtangriffsvertrĂ€ge mit den baltischen Staaten geschlossen hatte, lud Stalin am 5. Oktober 1939 zu GesprĂ€chen nach Moskau ein. Die Sowjetunion verlangte einen Beistandspakt, einen Landstreifen auf der karelischen Landenge, die gesamten Inseln im Finnischen Meerbusen vor Leningrad und die Halbinsel Hanko als MarinestĂŒtzpunkt mit der Lapphoja-Bucht als Ankerplatz. Als Gegenleistung bot man territoriale Kompensation auf Ostkarelien an. Gegen den Rat Mannerheims und des VerhandlungsfĂŒhrers Juho Kusti Paasikivi lehnte die finnische Regierung erneut ab.cite-ref-122[122]
Am 30. November 1939 griff die Rote Armee Finnland an.cite-ref-sing2-123-0[123] WĂ€hrend die öffentliche Meinung der westlichen Welt mit den Finnen sympathisierte und die Sowjetunion am 11. Dezember 1939 demonstrativ aus dem Völkerbund ausgeschlossen wurde,cite-ref-124[124] hielt sich Hitler an Artikel II des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes, keinen Kriegsgegner der Sowjetunion zu unterstĂŒtzen.cite-ref-125[125] Nach anfĂ€nglichen Erfolgen der finnischen Verteidiger im Winterkrieg zeichnete sich im Februar 1940 die finnische Niederlage ab.cite-ref-sing2-123-1[123] Stalin bot nicht zuletzt angesichts einer möglichen Konfrontation mit den WestmĂ€chten Friedensverhandlungen an.cite-ref-126[126] Im Frieden von Moskau vom 12. MĂ€rz 1940 konnte die Sowjetunion ihre Grenze in Karelien weit nach Westen bis auf die Linie des Friedens von Nystad 1721 verschieben. Hanko wurde der Sowjetunion fĂŒr 30 Jahre ĂŒberlassen. Finnland verlor 10 % seines Territoriums und 400.000 Finnen wurden vertrieben. Aber Finnland hatte seine UnabhĂ€ngigkeit gewahrtcite-ref-sing2-123-2[123] und die Rote Armee, die wĂ€hrend der KĂ€mpfe ca. 130.000 bis 150.000 Mann verloren hatte, als schwach erscheinen lassen.cite-ref-127[127]
Nach den Bestimmungen des Grenz- und Freundschaftsvertrages verlieĂen 130.000 Volksdeutsche die sowjetischen Besatzungsgebiete. In die umgekehrte Richtung gingen 12.000 Ukrainer und WeiĂrussen aus dem Generalgouvernement in die Sowjetunion.cite-ref-128[128] Stalin nutzte den bevölkerungspolitischen Ehrgeiz der Nationalsozialisten, um die ihm unliebsame Bevölkerungsgruppe der Volksdeutschen loszuwerden. Sehr zum Ărger der Deutschen nahm die Sowjetunion im Gegenzug aber nur vergleichsweise wenig Ukrainer und WeiĂrussen auf.cite-ref-129[129] Das sowjetische NKWD behinderte Umsiedlungswillige, die in die Sowjetunion wollten, nach KrĂ€ften. Wenn ĂŒberhaupt Menschen registriert wurden, dann bevorzugt arbeitsfĂ€hige, gesunde mĂ€nnliche Personen zwischen 15 und 50 Jahren.cite-ref-130[130]
FĂŒr Claudia Weber unterwarf der Hitler-Stalin-Pakt Osteuropa einem UnterdrĂŒckungsregime, bei dem das nationalsozialistische Deutsche Reich und die stalinistische Sowjetunion nicht nur nebeneinander, sondern in gröĂerem Umfang auch miteinander handelten.cite-ref-131[131]
Der von Hitler angeordnete Terror traf Angehörige aller ethnischen, religiösen und sozialen Gruppen, zu Beginn vor allem die polnischen Elite (Staatsdiener, MilitĂ€rs, Gutsbesitzer, Polizisten und Intellektuelle) sowie die jĂŒdische Bevölkerung. Juden waren umfassenden Repressionen, antisemitischer Diskriminierung und ab 1940 der Deportation in Ghettos wie z. B. dem Ghetto Litzmannstadt ausgesetzt.cite-ref-132[132] Das am 12. Oktober 1939 durch Erlass Hitlers offiziell eingesetzte Generalgouvernement umfasste jene zentralpolnischen Gebiete, die Stalin in den Verhandlungen zum Grenz- und Freundschaftsvertrag dem Deutschen Reich ĂŒberlassen hatte. Es diente als bevölkerungspolitisches Auffangbecken, als ArbeitskrĂ€ftereservoir und Abschiebeort fĂŒr alle die als rassisch minderwertig zur Vernichtung freigegeben waren. Mitte MĂ€rz 1941 wurden die Deportationen wegen des Aufmarsches gegen die Sowjetunion eingestellt. Die Umwandererzentralstelle hatte in Zusammenarbeit mit SS und Polizeistellen bis dahin nach Berechnungen die Massendeportation von 460.000 Menschen (darunter etwa 100.000 Juden) aus den eingegliederten Gebieten ins Generalgouvernement organisiert. Zehntausende Menschen waren Opfer âwilder Vertreibungenâ geworden.cite-ref-133[133]
Der von Stalin angeordnete Terror betraf echte und vermeintliche âFeinde der Sowjetisierungâ. Die von Lawrenti Beria gefĂŒhrten Sonderkommandos des NKWD deportierten bis zu 325.000 ehemalige polnische StaatsbĂŒrger unterschiedlicher ethnischer Zugehörigkeit in Viehwaggons nach Kasachstan und Sibirien in die vom NKWD ĂŒberwachten Sonderansiedlungsgebiete und in Gulag-Lager. ZunĂ€chst betraf dies polnische Kriegsveteranen, Kirchenvertreter, Staatsdiener und Landbesitzer, die als Klassenfeinde gebrandmarkt und als potentielle WiderstĂ€ndler verdĂ€chtigt wurden. Dann Menschen (vor allem ukrainischstĂ€mmige) die nach den Bestimmungen des Grenz- und Freundschaftsvertrages freiwillig in das sowjetische Besatzungsgebiet umsiedelten, aber von NKWD-Truppen in nĂ€chtlichen Massenaktionen verhaftet wurden. Am 2. MĂ€rz 1940 traf eine dritte Deportationswelle vor allem Angehörige polnischer Offiziere. Im Juni 1940 und im Mai 1941 folgten weitere Deportationen, die abermals ukrainische Umsiedler und FlĂŒchtlinge aus dem deutschen Besatzungsgebiet sowie Menschen aus dem sowjetisch besetzten Baltikum und Moldawien betrafen.cite-ref-134[134]
Im Rahmen der âpolitischen Flurbereinigungâ, die ihren Höhepunkt in den Vorbereitungen zur AB-Aktion fand, wurden bis zum FrĂŒhjahr 1940 ĂŒber 30.000 politische Gegner, vermeintliche und tatsĂ€chliche Mitglieder der polnischen Widerstandsbewegung von der deutschen Besatzungsmacht ermordet.cite-ref-135[135] UngefĂ€hr zur selben Zeit verĂŒbte das NKWD das Massaker von Katyn, bei dem 22.000 polnische Soldaten, Offiziere und Reservisten erschossen wurden.cite-ref-136[136]
WirtschaftsvertrÀge
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Hauptartikel
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Deutsch-Sowjetischer Wirtschaftsvertrag
In der Geschichte des Hitler-Stalin-Pakts spielten die deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen eine zentrale Rolle. Die WirtschaftsgesprĂ€che hatten den Weg zum Pakt geebnet, als sich Stalin und Hitler nach auĂen hin noch als unversöhnliche Feinde gaben. Noch vor der Unterzeichnung des Nichtangriffsvertrages erfolgte am 19. August 1939 der Abschluss eines Handelsabkommens.cite-ref-137[137]cite-ref-138[138] Tooze wertete es als Prahlen, als Hitler am 23. August vor GenerĂ€len behauptete, dass sich das Deutsche Reich nun nicht mehr vor einer Seeblockade zu fĂŒrchten brauche. Letzten Endes war es die Zusammensetzung des vereinbarten Warenkatalogs und nicht das geringer als erhofft ausgefallene Gesamtvolumen der Warenlieferungen aus der Sowjetunion, das fĂŒr Deutschland von entscheidender Bedeutung war.cite-ref-tooze-374f-139-0[139]
GröĂere HandelsvertrĂ€ge wurden erst nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages am 11. Februar 1940 und am 10. Januar 1941 abgeschlossen.cite-ref-140[140]
Im Vertrag vom 11. Februar 1940 verpflichtete sich die Sowjetunion innerhalb eines Jahres zu Lieferungen von Futtergetreide, Erdöl, Baumwolle, Chromerz und Platin im Wert von 500 Millionen Reichsmark, das entsprach 52 Prozent der gesamten sowjetischen Exporte. Das Deutsche Reich lieferte im Gegenzug IndustriegĂŒter und KriegsgerĂ€t. Um das Handelsabkommen gab es zĂ€he Verhandlungen. Beiden Verhandlungspartnern war bewusst, dass die Wirtschaftslieferungen der AufrĂŒstung und Kriegsvorbereitung dienten und sich somit auch gegen das eigene Land richten konnten. Sie begegneten einander mit Misstrauen.cite-ref-141[141] Die sowjetischen Rohstofflieferungen waren fĂŒr die deutsche KriegsfĂŒhrung unentbehrlich. 1940 bezog Deutschland 74 % seiner importierten Phosphate, 67 % seines Asbests, 64 % seines Chromeisens, 55 % seines Mangans, 40 % seines Nickels und 34 % seines Rohöls aus der Sowjetunion.cite-ref-tooze-374f-139-1[139] Der allergröĂte Teil der Rohstoff- und Transitlieferungen erfolgte nach der Niederlage Frankreichs.cite-ref-142[142] Das Deutsche Reich konnte einige Rohstoffe im eigenen Land nicht in benötigtem Umfang gewinnen, so z. B. Mangan, Nickel und Chrom, die fĂŒr die Produktion von hochwertigen Stahl-Legierungen fĂŒr RĂŒstungszwecke unerlĂ€sslich waren.cite-ref-143[143]
Claudia Weber analysiert, dass das Deutsche Reich fĂŒr die Verwirklichung seiner ExpansionsplĂ€ne sowjetische Rohstofflieferungen benötigte, wĂ€hrend Moskau an technischem Know-how und an der deutschen MilitĂ€rindustrie interessiert war. Der Handel sei demnach eine wesentliche Voraussetzung fĂŒr die erfolgreichen FeldzĂŒge in Ost-, Nord- und Westeuropa gewesen.cite-ref-144[144] Rainer Karlsch und Raymond G. Stokes kommen zu dem Ergebnis, dass der Deutsch-sowjetische Handel fĂŒr die PlĂ€ne von Hitler und Stalin gleichermaĂen wichtig war. Deutschland benötigte die sowjetischen Rohstoff- und Lebensmittellieferungen (vor allem Erdöl und Getreide) dringend fĂŒr seine Kriegswirtschaft, wĂ€hrend die Sowjetunion durch deutsche Maschinenlieferungen ihre RĂŒstungswirtschaft stĂ€rkte.cite-ref-145[145]
Dietrich Eichholtz kommt dagegen zu dem Schluss, dass die Sowjetunion zwar nicht verhindern konnte, dass ihre Lieferungen die deutsche Kriegsmaschine stĂ€rkten, dass sie aber als Gegenleistung Erzeugnisse des Maschinenbaus und anderer wichtiger Industriezweige verlangte, deren Produktion nicht unbedeutende KapazitĂ€ten der deutschen RĂŒstungsindustrie banden, so dass die EffektivitĂ€t des deutsch-sowjetischen Handels fĂŒr das deutsche Kriegspotential schlieĂlich stark begrenzt geblieben sei.cite-ref-146[146] Wilhelm Treue kritisierte diese Schlussfolgerung, da die sowjetischen Lieferungen die deutschen Siege ĂŒberhaupt erst möglich gemacht hĂ€tten.cite-ref-147[147]cite-ref-148[148] Andreas Hillgruber kommentierte, dass Eichholtz als DDR-Historiker trotz der unvermeidlichen Einbettung in vorgegebene politische Richtlinien das Tabuthema sowjetische Wirtschaftslieferungen wenigstens angepackt und zu akzeptablen Thesen gelangt sei.cite-ref-149[149]
Weitere Auswirkungen
Polen
Der polnischen Exilregierung (1939â1990) versagte die Sowjetunion ihre Anerkennung, bis Deutschland 1941 den Nichtangriffspakt mit dem Ăberfall auf die Sowjetunion gebrochen hatte. Danach schloss sie mit der Exilregierung das Sikorski-Majski-Abkommen ab und erklĂ€rte anzuerkennen, dass die deutsch-sowjetischen VertrĂ€ge âbetreffend die territorialen Ănderungen in Polen auĂer Kraft getreten sindâ.cite-ref-150[150] Nach Bekanntwerden des Massakers von Katyn forderte die Exilregierung eine ErklĂ€rung, woraufhin Moskau die diplomatischen Beziehungen zur Exilregierung abbrach. Die Exilregierung konnte ihre Forderung, Polen in seinen alten Grenzen wieder erstehen zu lassen, gegen die Sowjetunion nicht durchsetzen. Auf der Teheraner Konferenz bezogen sich die GroĂen Drei 1943 nicht auf die im Nichtangriffspakt festgelegte Westgrenze der Sowjetunion, die Churchill und Roosevelt noch nicht kannten, sondern auf einen Vorschlag des ehemaligen britischen AuĂenministers Curzon. Gleichzeitig wurde stillschweigend in Kauf genommen, dass die baltischen Republiken Teil der Sowjetunion blieben. Die weitgehende Ăbereinstimmung der Curzon-Linie von 1919 und der Grenze der InteressensphĂ€ren des Paktes von 1939 und der sowjetischen Westgrenze nach 1945 fĂŒhrte zu unterschiedlichen Erinnerungskulturen.cite-ref-151[151]
Baltikum
Nach dem Abschluss des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages forderte die Sowjetunion Estland, Lettland und Litauen zum Abschluss von BeistandsvertrĂ€gen auf, die der Roten Armee Stationierungsrechte einrĂ€umen sollten. Unter sowjetischem Druck kam es zu VertrĂ€gen mit Estland (28. September 1939), Lettland (5. Oktober) und Litauen (10. Oktober). Die Sowjetunion ĂŒbergab das zwischen Litauen und Polen umstrittene Gebiet um Vilnius an Litauen.cite-ref-152[152] Auf deutscher Seite nahm man an, dass eine sowjetische Besetzung unmittelbar bevorstand und auf Initiative des estlanddeutschen Nationalsozialisten Erhard Kroeger wurde Hitler von der Umsiedlung der Deutsch-Balten ĂŒberzeugt.cite-ref-153[153] Die Deutsch-Balten wurden im Einvernehmen mit der Sowjetunion unter dem Motto âHeim ins Reichâ nach dem Abschluss von UmsiedlungsvertrĂ€gen mit Estland (15.10.) und Lettland (30.10.) unvorbereitet und improvisiert unter der Leitung des Reichskommissars fĂŒr die Festigung des deutschen Volkstums Heinrich Himmler im Wartheland und in Danzig-WestpreuĂen angesiedelt, um den deutschstĂ€mmigen Bevölkerungsanteil zu heben. Die dort ansĂ€ssige polnische und jĂŒdische Bevölkerung wurde als fremdvölkisch vertrieben.cite-ref-154[154]
Nach der Eingliederung der baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen im Juni 1940 kam es zu Massendeportationen vor allem von Angehörigen der bĂŒrgerlichen Elite in die Zwangsarbeitslager des Gulag. Nach der Eroberung des Baltikums durch deutsche Truppen 1941 kollaborierten viele Balten mit der Besatzungsmacht in der Hoffnung, dadurch die UnabhĂ€ngigkeit ihrer LĂ€nder wiederherstellen zu können. Sie erhielten jedoch im Reichskommissariat Ostland keine Mitbestimmungsrechte. In den Jahren 1944/45 drĂ€ngte die Rote Armee die deutschen Truppen zurĂŒck, weshalb viele Esten, Letten und Litauer nach Westen flohen, wo sie als Displaced Persons eingestuft wurden.
In den Jahren 1945 und 1949 kam es zu neuen Massendeportationen im Baltikum sowie zur Ansiedlung Hunderttausender russischsprachiger SowjetbĂŒrger mit dem Ziel, die neuen Teilrepubliken zu russifizieren.cite-ref-155[155]cite-ref-156[156]
RumÀnien
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Hauptartikel
:
Sowjetische Besetzung Bessarabiens und der Nordbukowina
Am 26. Juni 1940 forderte die Sowjetunion ultimativ die Abtretung Bessarabiens und der Nordbukowina von RumĂ€nien und besetzte diese Gebiete zwei Tage spĂ€ter kampflos. Am 2. August wurde der gröĂere Teil mit Teilen der ukrainischen Moldauischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik zur Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik zusammengeschlossen und die Nordbukowina mit sĂŒdlichen Teilen Bessarabiens an die Ukraine angeschlossen.cite-ref-157[157] Ein GroĂteil der moldauischen Elite und GroĂbauern wurden danach in den Gulag deportiert oder ermordet.cite-ref-158[158] Hitler erkannte die Annexion der Bukowina nie formell an und die WestmĂ€chte schenkten dem Völkerrechtsbruch keine groĂe Aufmerksamkeit.cite-ref-159[159] Am 5. September 1940 wurde eine deutsch-sowjetische Vereinbarung ĂŒber die Umsiedlung der Deutschen aus der Nordbukowina und Bessarabien vereinbart. Der ĂŒberwiegende Teil der 140.000 Bessarabiendeutschen und Bukowinadeutschen wurde unter dem Motto âHeim ins Reichâ zur Germanisierung im besetzten Polen angesiedelt.cite-ref-160[160]
Westalliierte
Am 24. August sandte Chamberlain eine mit dem Kabinett abgestimmte Warnung an Hitler persönlich und der Emergency Powers Act wurde im Parlament verabschiedet. Am 25. August 1939 wurde der britisch-polnische Beistandspakt unterzeichnet, der die bereits am 31. MĂ€rz 1939 im britischen Unterhaus abgegebene GarantieerklĂ€rung Chamberlains bekrĂ€ftigte. Diese eindeutige Reaktion ĂŒberraschte Hitler und er verschob den fĂŒr den 26. August geplanten Angriff.cite-ref-161[161]cite-ref-162[162] Nach dem deutschen Ăberfall erklĂ€rten Frankreich und England dem Deutschen Reich am 3. September den Krieg. Kurz darauf folgten Australien, Neuseeland, Indien, SĂŒdafrika und Kanada.cite-ref-163[163]
Das VerhĂ€ltnis zur Sowjetunion verschlechterte sich angesichts der sowjetischen Expansion in Osteuropa drastisch. Insbesondere das sowjetische Vorgehen gegen Finnland löste Ăberlegungen ĂŒber ein militĂ€risches Vorgehen gegen die Erdölproduktion im Raum Baku aus (Operation Pike). Der erfolgreiche Widerstand der finnischen StreitkrĂ€fte veranlasste die Vorbereitungen einer militĂ€rischen UnterstĂŒtzung, die fĂŒr das FrĂŒhjahr 1940 geplant war und die Besetzung von StĂŒtzpunkten in Norwegen einschloss. Diese teilweise sehr weit vorangeschrittenen PlĂ€ne lösten mittelbar den deutschen Ăberfall auf DĂ€nemark und Norwegen im April 1940 aus. Erst nach dem Fall Frankreichs im Juni 1940, als GroĂbritannien allein Deutschland gegenĂŒberstand, wurden konkrete Schritte zu einer VerstĂ€ndigung mit der Sowjetunion eingeleitet, die nach dem deutschen Ăberfall auf die Sowjetunion zu einem formellen BĂŒndnis der beiden Staaten fĂŒhrten.
Bei vielen Kommunisten in Westeuropa (aber nicht nur bei diesen) löste die Nachricht vom Abschluss des Paktes und der Wende in der sowjetischen AuĂenpolitik Entsetzen und Verunsicherung aus. Der Kurswechsel der Kommunistischen Internationale, die nun die Kommunistischen Parteien anwies, sich gegen den âimperialistischenâ Krieg zu stellen und alle Bindungen zu sozialistischen und anderen progressiven Parteien zu lösen, verstĂ€rkten das Unbehagen, fĂŒhrten zu Kritik, Protesten und zahlreichen Parteiaustritten.cite-ref-164[164]
In Frankreich bot der Pakt und der damit verbundene Kurswechsel einen willkommenen Vorwand fĂŒr die Verfolgung der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF), die am 26. September 1939 in deren Verbot gipfelte. Hatten die Kommunisten zunĂ€chst die Kriegsanstrengungen unterstĂŒtzt und etwa am 2. September in der Nationalversammlung fĂŒr die Kriegskredite gestimmt, erfolgte nach einer kurzen Phase der Orientierungslosigkeit ab Mitte September die Agitation gegen den Krieg, der als âimperialistischer, ungerechter Krieg, an dem die Bourgeoisie aller kriegsfĂŒhrenden Staaten gleich schuldigâ sei,cite-ref-165[165] denunziert wurde. Die PCF verurteilte auch den Schulterschluss mit GroĂbritannien und den âreaktionĂ€ren polnischen Obristenâ. Der Agitation dienten Flugzettel, Kettenbriefe und eine Untergrundausgabe der Parteizeitung LâHumanitĂ©, die unter dem Titel âLes soldats contre la guerreâ verbreitet wurde.cite-ref-166[166]
Die tiefe politische Spaltung der französischen Gesellschaft und eine tief verwurzelte pazifistische Strömung verstĂ€rkten die Wirkung der defĂ€tistischen Kampagne der PCF unter dem Motto: âMourir pour Dantzig?â (dt.: Sterben fĂŒr Danzig?) Aus Furcht vor Unterwanderung und Sabotage wurden drastische MaĂnahmen ergriffen, die zu einer zusĂ€tzlichen Entfremdung zwischen Regierung und Bevölkerung fĂŒhrten. Zumal sich im weiteren Verlauf des Sitzkrieges die Arbeitsbedingungen, vor allem in der RĂŒstungsindustrie, zunehmend verschlechterten. Vereinzelte FĂ€lle von Sabotagecite-ref-167[167] dienten zur Rechtfertigung einer massiven Repression kommunistischer oder kommunistischer Sympathien verdĂ€chtiger Arbeiterinnen und Arbeiter und zur Diskreditierung aller Versuche, eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu erreichen. Dem tatsĂ€chlichen Schwund der Mitgliedschaft der PCF stand ein von den Behörden behaupteter Anstieg von Akten kommunistischer Subversion und Sabotage gegenĂŒber. Als im Mai 1940 der deutsche Angriff erfolgte und die alliierte Streitmacht vernichtende Niederlagen erlitt, mussten die Kommunisten auch als SĂŒndenbock fĂŒr die Fehler von Regierung und MilitĂ€r herhalten.cite-ref-168[168]
TĂŒrkei
Die TĂŒrkei hatte versucht mit der Sowjetunion, Frankreich und dem Vereinigten Königreich eine Allianz in SĂŒdosteuropa zu bilden und war geschockt von dem Vertrag. Der tĂŒrkische AuĂenminister ĆĂŒkrĂŒ SaracoÄlu reiste noch Ende September nach Moskau, um Stalin doch noch ergebnislos fĂŒr eine solche sĂŒdosteuropĂ€ische Allianz zu gewinnen. Am 19. Oktober wurde von der TĂŒrkei der Dreiparteienvertrag von Ankara mit Frankreich und dem Vereinigten Königreich abgeschlossen. Er schloss auf Wunsch der TĂŒrkei, die die guten Beziehungen zur Sowjetunion nicht gefĂ€hrden wollte, jedwede gemeinsamen Kriegshandlungen gegen die Sowjetunion aus.cite-ref-169[169]
Japan
1936 hatte Japan mit Deutschland den Antikominternpakt abgeschlossen, der im geheimen Zusatzprotokoll wechselseitig wohlwollende NeutralitĂ€t im Konfliktfall mit der Sowjetunion vorsah. Japan, das zeitgleich zum Abschluss des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages einen verlustreichen Grenzkonflikt bei Nomonhan mit der Roten Armee ausfocht, sah den Abschluss des Nichtangriffspakt als Verletzung des Antikominternpakt an. Das ĂŒberraschte Kabinett Hiranuma trat zurĂŒck und die Beziehungen zu Deutschland kĂŒhlten vorĂŒbergehend ab.cite-ref-170[170]
Verschlechterung der Beziehungen
Siehe auch
:
Deutsch-sowjetische Beziehungen
Mit dem Unternehmen WeserĂŒbung ĂŒberfiel und eroberte das Deutsche Reich im April 1940 die neutralen Staaten DĂ€nemark und Norwegen. Der Ăberfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg fĂŒhrte im Mai 1940 binnen 18 Tagen zur Kapitulation und Besetzung dieser ebenfalls neutralen Staaten.cite-ref-171[171] Stalin gab der Komintern die Direktive, weiterhin GroĂbritannien und Frankreich als die eigentlichen Kriegstreiber zu verurteilen. Die KP Frankreichs erhielt die Direktive, mit den deutschen Besatzern zu verhandeln, um aus der IllegalitĂ€t herauszukommen und Sozialdemokraten und andere linke KrĂ€fte auszustechen. Die deutschen Besatzer waren dafĂŒr offen, verlangten aber als Gegenleistung, dass die KP Frankreich die Bevölkerung zur Kollaboration aufrief. Im Juni kapitulierte Frankreich. Im Sommer 1940 begann der Siegeszug Hitlers Stalin zu beunruhigen; die Komintern verlangte von den französischen Kommunisten nun den Spagat, die Verhandlungen weiterlaufen zu lassen, aber im Alltag jeden Eindruck einer zu engen Zusammenarbeit mit den Deutschen zu vermeiden. Otto Abetz lieĂ die Verhandlungen weiterfĂŒhren, damit die Kollaboration der KP Frankreichs weiterging, er gab intern aber die Direktive aus, dass jederzeit mit einem Ende der Kollaboration gerechnet werden mĂŒsste. Wenig spĂ€ter war von einer Zusammenarbeit keine Rede mehr, nun erlieĂ die Besatzungsmacht ein Gesetz das administrative Internierungen erlaubte und eine Verhaftungswelle gegen kommunistische MandatstrĂ€ger und Gewerkschaftler in der Region Paris auslöste.cite-ref-172[172]
Die schnelle Kapitulation Frankreichs war fĂŒr Stalin eine böse Ăberraschung, sie störte das Gleichgewicht der KrĂ€fte und Interessen, wie es 1939 noch bestand. Stalin reagierte darauf, indem er in zunehmendem MaĂe wieder ideologisch argumentierte. Zudem positionierte er die Komintern wieder als europĂ€isches Zentrum des linken Widerstands gegen Hitler. Dieser blieb in Frankreich jedoch deutlich hinter dem Wirken der RĂ©sistance zurĂŒck. Einen entschiedenen kommunistischen Widerstand gab es jedoch erst nach dem Ende des deutsch-sowjetischen BĂŒndnisses.cite-ref-173[173] Als weitere Reaktion lieĂ Stalin umgehend die beanspruchten Territorien in Ost- und SĂŒdosteuropa besetzen. Im Juni 1940 lieĂ er die gewĂ€hlten Regierungen in den baltischen Staaten stĂŒrzen, die Sowjetisierungen fĂŒhrten zu weiteren 70.000 politischen Gefangenen in NKWD-Lagern. Am 27. Juni 1940 musste RumĂ€nien die Abtretung Bessarabiens und der Nordbukowina an die Sowjetunion akzeptieren.cite-ref-174[174] Wenig spĂ€ter erhielt die Sowjetunion von GroĂbritannien das Angebot eines BĂŒndnisses gegen Hitler und bot Stalin als Gegenleistung den gesamten Balkan einschlieĂlich der Kontrolle ĂŒber den Bosporus. Stalin argwöhnte jedoch, dass GroĂbritannien die Sowjetunion bloĂ in einen Krieg gegen die AchsenmĂ€chte treiben wollte, ohne selbst in gröĂerem Umfang militĂ€risch einzugreifen. Gleichwohl nutzte er die Verhandlungen als Signal an Hitler, dass er Alternativen hatte.cite-ref-175[175]
GesprÀche zwischen Hitler und Molotow im November 1940
Mit den Eroberungen und der Achse RomâBerlin im RĂŒcken hatte Hitler vermeintlich eine bessere Verhandlungsposition als bei den GesprĂ€chen 1939. GegenĂŒber seinen GenerĂ€len erklĂ€rte er die Absicht, die Russen nicht nach Europa zu lassen und den Balkan sowie Finnland als gefĂ€hrdete Flanken sichern zu wollen.cite-ref-176[176] Am 10. November 1940 versuchte Hitler, die Sowjetunion zu einem Dreierpakt mit Japan zu bewegen und diesmal gleich die ganze Welt in InteressensphĂ€ren aufzuteilen. Der Besprechung vorausgegangen war ein lĂ€ngerer Monolog, in dem Hitler Molotow den ânahen Siegâ ĂŒber GroĂbritannien âerlĂ€uterteâ. Dann versuchte er Molotow die Eroberung Asiens, insbesondere der britischen Kolonie Indien, schmackhaft zu machen. Molotow entging aber nicht, dass die Sowjetunion aus Europa herausgehalten und in einen Krieg mit GroĂbritannien getrieben werden sollte.cite-ref-177[177] Er wollte stattdessen europĂ€ische Konflikte ansprechen, insbesondere die deutsche MilitĂ€rhilfe fĂŒr Finnland, die dem Hitler-Stalin-Pakt eklatant widersprach â welche Hitler unglaubwĂŒrdig abstritt. Ein weiterer Konflikt war die deutsch-italienische Garantie der territorialen IntegritĂ€t fĂŒr RumĂ€nien im Zweiten Wiener Schiedsspruch vom August 1940, mit dem der bereits kommunizierte sowjetische Anspruch auf die SĂŒdbukowina blockiert wurde.cite-ref-178[178]
Das Endstadium des Pakts
Schon vor dem Scheitern der GesprĂ€che vom November 1940 war Hitler zum Krieg gegen die Sowjetunion entschlossen. Die militĂ€rischen Vorbereitungen hatten schon begonnen. Hitler prangerte die erfolgten und angeblich drohenden sowjetischen Expansionen an und konnte dadurch und durch die revisionistisch-nationalen Eigeninteressen Finnlands und RumĂ€niens diese zuvor durch das Zusatzprotokoll dem sowjetischen Interesse ĂŒberlassenen LĂ€nder zur aktiven Kriegsteilnahme gegen die Sowjetunion verpflichten.cite-ref-179[179] Bereits im Sommer 1940 wurden MilitĂ€reinheiten aus dem Westen gen Osten und nach Finnland verlegt, was fĂŒr Moskau bereits da ein Anlass zur Sorge war.cite-ref-180[180] Stalin kannte die Kriegsplanungen Hitlers, die Sowjetunion versuchte zu diesem Zeitpunkt nur noch, den Kriegsbeginn zu verzögern. Am 25. November 1940 erklĂ€rte sich die Sowjetunion zu einem ViererbĂŒndnis bereit, forderte aber den Abzug deutscher Truppen aus Finnland und erhob AnsprĂŒche auf Bulgarien. Dass Hitler damit nicht einverstanden war, wusste Stalin wahrscheinlich. Am 10. Januar 1941 wurde ein weiteres deutsch-sowjetisches Handelsabkommen geschlossen. Parallel versuchte Stalin, durch diplomatische Beziehungen zu Bulgarien, Japan und Jugoslawien die militĂ€rische Position zu verbessern. Bulgarien trat jedoch am 1. MĂ€rz dem DreimĂ€chtepakt bei.
Am 5. April 1941 unterzeichnete die nach Jugoslawiens Beitritt zum DreimÀchtepakt am 25. MÀrz durch einen Staatsstreich kurz danach an die Macht gekommene neue jugoslawische Regierung einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion; einen Tag spÀter fiel die Wehrmacht aufgrund Hitlers Weisung Nr. 25 vom 27. MÀrz 1941 in Jugoslawien ein. Am 13. April 1941 schlossen Japan und die Sowjetunion einen NeutralitÀtspakt.cite-ref-181[181]
Der Bruch
Mit dem Ăberfall der Wehrmacht am 22. Juni 1941 brach das von Hitler gefĂŒhrte Deutsche Reich den Nichtangriffspakt, um den lange beabsichtigten â machtpolitisch, wirtschaftlich, kolonial-imperialistisch und rassenideologisch motivierten â Vernichtungskrieg gegen die UdSSR zu fĂŒhren.cite-ref-182[182]
Vor dem Ăberfall erhielt die sowjetische Regierung Informationen ĂŒber den Aufmarschplan und das voraussichtliche Datum. Deshalb wurde unter Historikern darĂŒber diskutiert, ob und warum Stalin die vielfĂ€ltigen Hinweise der westlichen GroĂmĂ€chte, der eigenen Geheimdienste, der auslĂ€ndischen Kundschafter, Spione und ĂberlĂ€ufer anscheinend nicht ernst nahm. So hatte sich Stalin â nach einer lange vertretenen Auffassung â von Hitler perfide tĂ€uschen lassen und bis zuletzt gehofft, den Krieg abzuwenden. Nach neueren Auffassungen hatte Stalin das Narrativ des ĂŒberraschenden Verrats bewusst lanciert, zur Gestaltung des Geschichtsmythos vom âGroĂen VaterlĂ€ndischen Kriegâ.cite-ref-183[183]
Die berechtigte Kritik an Stalin, so resĂŒmiert Claudia Weber diese Positionen, mĂŒsse bedenken, dass dieser kaum eine andere Option hatte als abzuwarten. Er habe schwerlich befehlen können, auf der Basis von Geheimdienstberichten die Grenze vor der Wehrmacht zu verletzen, da er sonst Hitler die Legitimation fĂŒr einen als Verteidigung gerechtfertigten Gegenangriff prĂ€sentiert hĂ€tte. Daher haben die Sowjets die Warnungen zwar zur Kenntnis genommen und alle militĂ€rischen Vorbereitungen forciert, was angesichts der Lage der Roten Armee schwierig genug gewesen sei, doch den deutschen Angriff habe Stalin abwarten mĂŒssen.cite-ref-184[184]
NichtigkeitserklÀrung 1989 und Zerfall der Sowjetunion
Als Vertrag zu Lasten Dritter (res inter alios acta) stieĂen die deutsch-sowjetischen Vereinbarungen des Vertrages und des Protokolls schon frĂŒh auf Verurteilung und Ablehnung. Das Protokoll zerstörte einseitig und völkerrechtswidrig das Nichtangriffspaktsystem beider Vertragspartner in Ostmitteleuropa, war mit dem KriegsĂ€chtungspakt nicht vereinbar und verstieĂ gegen das Aggressions- und Annexionsverbot. Die Vereinbarungen verletzten die SouverĂ€nitĂ€t, UnabhĂ€ngigkeit und Unverletzlichkeit Dritter und widersprachen Art. 10 der Völkerbundssatzung, an die die Sowjetunion als Mitglied gebunden war.cite-ref-185[185]
Die Existenz des Zusatzprotokolls zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt wurde vom Kreml lange geleugnet, dem bewusst war, welcher Sprengsatz fĂŒr den Zusammenhalt der Sowjetunion damit verbunden war.cite-ref-186[186] Auch die Bundesregierung vermied aus RĂŒcksicht auf die Sowjetunion trotz zahlreicher Initiativen aus dem Bundestag jede klare Stellungnahme zum Protokoll. Die baltischen Politiker und die polnische SolidarnoĆÄ drĂ€ngten in den 1980er Jahren das bundesdeutsche Parlament mit Verweis auf die Prager VertrĂ€ge zur Nichtigkeit des MĂŒnchner Abkommens vergebens zu einer frĂŒhen und klaren Annullierung.cite-ref-lipinsky-82-187-0[187]
Mit der Perestrojka Ă€nderte sich die Situation und auf DrĂ€ngen der baltischen Sowjetrepubliken wurde im Juni 1989 eine Kommission des Volksdeputiertenkongresses zur politischen und juristischen Bewertung des Paktes gebildet. Parallel dazu erstarkten die sezessionistischen KrĂ€fte nicht nur in europĂ€ischen, sondern auch in asiatischen Sowjetrepubliken, die von den Bestimmungen des Paktes nicht betroffen waren.cite-ref-188[188] In Estland, Lettland und Litauen erreichten die Demokratisierungsbewegungen (Volksfront) ihren Höhepunkt und zum 50. Jahrestag des Paktes bildeten zwei Millionen Balten zum Protest gegen das Zusatzprotokoll eine Menschenkette von 600 Kilometer LĂ€nge (Baltischer Weg).cite-ref-189[189] Die AnhĂ€nger des Status quo, die sich in der Kommission auf eine Bewertung des eigentlichen Paktes beschrĂ€nken wollten, um UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen, Territorial- und Minderheitsfragen zu vermeiden, gerieten in die Minderheit und widersprĂŒchliche Gebietsinteressen, ethnische und rechtliche Aspekte wurden beraten. Die Ukraine und WeiĂrussland fĂŒrchteten um ihre territoriale IntegritĂ€t, und Litauen kĂ€mpfte um die UnabhĂ€ngigkeit bei gleichzeitigem Festhalten an der ĂŒberwiegend polnisch besiedelten Region im SĂŒden der Republik. Die Einbeziehung Polens als Hauptverlierer des Vertrages wurde daher nach KrĂ€ften verhindert und auch die karelische Frage ausgeklammert. Die moldawischen Delegierten spaltete der Transnistrien-Konflikt. Am 24. Dezember 1989 wurde das Zusatzprotokoll vom zweiten Volksdeputiertenkongress unter dem Vorsitz von Michail Gorbatschow fĂŒr null und nichtig vom Zeitpunkt der Unterzeichnung erklĂ€rt.cite-ref-190[190] Die Bundesrepublik Deutschland erklĂ€rte den Vertrag erst 1990 ex tunc fĂŒr nichtig.cite-ref-191[191]
Damit wurde die PropagandalĂŒge eines freiwilligen Beitritts der baltischen Staaten zur Sowjetunion unhaltbar. Die staatliche SouverĂ€nitĂ€t wurde erfolgreich wieder eingefordert. Polen und Litauen verzichteten teils notgedrungen, teils aus politischer Klugheit auf territoriale Forderungen und da die Westalliierten die Annexion Ostpolens und Bessarabiens hingenommen hatten und die kommunistischen Regierungen Polens und RumĂ€niens diese unter sowjetischem Druck vertraglich akzeptiert hatten, hielt die internationale Gemeinschaft aus sicherheitspolitischen GrĂŒnden und aus Furcht vor endlosen Grenzrevisionen an den 1939 und 1940 festgelegten Grenzen fest. Mit dem Zerfall der Sowjetunion 1990/91 entstanden mit Moldau, Ukraine und Belarus neue Staaten mit diesen Grenzen.cite-ref-lipinsky-82-187-1[187]
Politische Bewertungen und Vergangenheitspolitik
Russland
Das fĂŒr die sowjetische Seite vorgesehene Original des Geheimen Zusatzprotokolls befand sich Jahrzehnte lang in einem Panzerschrank im Kreml, den nur die GeneralsekretĂ€re der KPdSU persönlich öffnen durften. Als Michail Gorbatschow im Dezember 1991 den Kreml fĂŒr den russischen PrĂ€sidenten Boris Jelzin rĂ€umen musste, ĂŒbergab er diesem neben anderen Geheimdokumenten auch dieses Original. Nach der Auflösung der Sowjetunion lieĂ Jelzin es 1992 veröffentlichen.cite-ref-192[192] Auch nach dieser Publikation hielt ein GroĂteil der russischen Historiker an ihrer Position aus Sowjetzeiten fest. Sie erwĂ€hnten die Existenz des Zusatzprotokolls, die Verbindung zur Annexion der baltischen Staaten verschwiegen sie jedoch.cite-ref-193[193]
Kurz vor den Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag des deutschen Ăberfalls auf Polen im Jahr 2009 bezeichnete der russische MinisterprĂ€sident Wladimir Putin den Pakt in einem âBrief an die Polenâ zwar als âunmoralischâ. Zudem wĂŒrdigte er, dass die Polen sich als Erste der nationalsozialistischen Aggression entgegengestellt hĂ€tten. Er warf Polen jedoch vor, schon 1934 einen Nichtangriffspakt mit Deutschland geschlossen und sich spĂ€ter zusammen mit Ungarn an der Zerschlagung der Tschechoslowakei durch Deutschland beteiligt und das Olsa-Gebiet besetzt und annektiert zu haben.cite-ref-194[194]cite-ref-195[195] AuĂenminister Sergei Lawrow wies den Westalliierten 2009 eine Mitschuld zu und stellte den Vertrag als Folge des MĂŒnchner Abkommens dar.cite-ref-tichomirowa-196-0[196]cite-ref-197[197] Im November 2014 und im Mai 2015 verteidigte Putin den Ribbentrop-Molotow-Pakt als aus der Perspektive der damaligen sicherheits- und militĂ€rpolitischen ErwĂ€gungen der UdSSR notwendig.cite-ref-198[198] Der US-amerikanische Historiker Timothy Snyder schrieb zu Putins ĂuĂerungen zum Hitler-Stalin-Pakt im Jahre 2014: âTatsĂ€chlich hat erst die Ausrichtung an der extremen europĂ€ischen Rechten und gegen den europĂ€ischen Mainstream die Rehabilitierung des Hitler-Stalin-Pakts unvermeidlich gemacht â ich habe diese Entwicklung im Mai vorhergesagt.âcite-ref-199[199]
Gedenktag 23. August
â
Hauptartikel
:
EuropÀischer Tag des Gedenkens an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus
Der 23. August wurde auf Initiative der ostmitteleuropĂ€ischen Staaten im Jahr 2009 zum europĂ€ischen Gedenktag an die Opfer von Stalinismus und Nationalsozialismus erklĂ€rt und Kanada folgte mit dem Black Ribbon Day. WĂ€hrend Schweden und die ostmittel- und sĂŒdeuropĂ€ischen Staaten das Datum in ihre nationalen Gedenkkalender aufnahmen, blieb das Datum in Deutschland, Frankreich und GroĂbritannien wenig beachtet.cite-ref-200[200] Der Bundestag beschloss allerdings 2013, dass der 23. August als EuropĂ€ischer Tag der Erinnerung fĂŒr die Opfer des Totalitarismus begangen wird.cite-ref-201[201]
Baltikum
FĂŒr die Veröffentlichung des Vertrages durch die Sowjetunion demonstrierten am 23. August 1988 eine Viertelmillion interessierte Menschen.cite-ref-202[202] Am 23. August 1989 bildeten eine Million Demonstranten medienwirksam von Tallinn ĂŒber Riga nach Vilnius eine 600 km lange Menschenkette (baltische Kette) gegen die sowjetische Herrschaft in den baltischen Staaten.cite-ref-203[203]
EuropÀische Union
Am 2. April 2009 nahm das EuropĂ€ische Parlament eine EntschlieĂung âzum Gewissen Europas und zum Totalitarismusâ mit der Forderung an, den 23. August zum gemeinsamen Gedenktag fĂŒr die Opfer aller totalitĂ€ren und autoritĂ€ren Regime zu erklĂ€ren.cite-ref-204[204]
Am 18. September 2019 erwog das Europaparlament in einem gemeinsamen EntschlieĂungsantrag, dass die kommunistische Sowjetunion und das nationalsozialistische Deutsche Reich mit dem Pakt gemeinsam âdie Weichen fĂŒr den Zweiten Weltkrieg stelltenâ.cite-ref-205[205] Diese AusfĂŒhrungen wurden vom PrĂ€sidenten Russlands, Wladimir Putin, scharf kritisiert.cite-ref-206[206]cite-ref-207[207]cite-ref-208[208]
Filme
Literatur
âą Anna Kaminsky, Dietmar MĂŒller, Stefan Troebst (Hrsg.): Der Hitler-Stalin-Pakt 1939 in den Erinnerungskulturen der EuropĂ€er (= Moderne europĂ€ische Geschichte 1). Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0937-1.
âą Lew Besymenski: Stalin und Hitler. Das Pokerspiel der Diktatoren. Aufbau Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-351-02539-4.
âą Gerhard Bisovsky, Hans Schafranek, Robert Streibel (Hrsg.): Der Hitler-Stalin-Pakt. Voraussetzungen, HintergrĂŒnde, Auswirkungen. Picus-Verlag, Wien 1990, ISBN 3-85452-214-2.
âą Die sowjetische AuĂenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. In: Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum âUnternehmen Barbarossaâ. Im Auftrag des MilitĂ€rgeschichtlichen Forschungsamtes hrsg. von Bernd Wegner. Piper, MĂŒnchen 1991, ISBN 3-492-11346-X, S. 19â39.
âą Der Pakt â Hitler, Stalin und die Initiative der deutschen Diplomatie 1938â1939. Ullstein, 1990, ISBN 3-550-07655-X.
âą Gerhart Hass: 23. August 1939. Der Hitler-Stalin-Pakt. Dietz Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-320-01555-9.
âą Department of State (Hrsg.): Das nationalsozialistische Deutschland und die Sowjetunion 1939â1941. Akten aus dem Archiv des deutschen AuswĂ€rtigen Amtes. s. n., s. l. 1948.
⹠Jan Lipinsky: Das Geheime Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 und seine Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von 1939 bis 1999 (= EuropÀische Hochschulschriften. Reihe III: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Bd. 991). Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main [u. a.] 2004, ISBN 3-631-52322-X (zugleich: Bonn, Univ., Diss., 2000).
âą Roger Moorhouse: The Devilsâ Alliance: Hitlerâs Pact with Stalin, 1939â1941. The Bodley Head, London 2014, ISBN 978-1-84792-205-2.
âą Donal OâSullivan: Stalins âCordon sanitaireâ. Die sowjetische Osteuropapolitik und die Reaktionen des Westens 1939â1949. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn [u. a.] 2003, ISBN 3-506-70142-8 (zugleich: EichstĂ€tt, Kath. Univ., Habil.-Schr., 2001).
⹠Manfred Sapper, Volker Weichsel (Hrsg.): Der Hitler-Stalin-Pakt. Der Krieg und die europÀische Erinnerung (= Osteuropa 7-8, 2009). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-8305-1606-4.
âą Christoph Koch (Hrsg.): Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt? Charakter, Bedeutung und Deutung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages vom 23. August 1939. Peter Lang Edition, Frankfurt am Main 2015, ISBN 978-3-631-66422-3.
âą Claudia Weber: Der Pakt. Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz. C.H. Beck, MĂŒnchen 2019, ISBN 978-3-406-73531-8.
âą RussGUS â Bibliographische Datenbank; es werden zum Hitler-Stalin-Pakt mehrere hundert Publikationen gefĂŒhrt (Formularsuche / Sachnotationen / 12.3.4.5.2.3.2).
Weblinks
Commons
: Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Literatur zum Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Foto der Karte mit den Unterschriften Stalins und Ribbentrops
âą Vertrag und Zusatzprotokoll im Volltext mit einer EinfĂŒhrung von Bianka Pietrow-Ennker im Portal â100(0) SchlĂŒsseldokumente zur russischen und sowjetischen Geschichte (1917â1991)â
âą AndrĂ© Krajewski: Der Hitler-Stalin-Pakt. Die Vorbereitung des Ăberfalls auf Polen. auf zukunft-braucht-erinnerung.de, 7. Oktober 2004.
⹠Leonid Luks: Eine totalitÀre Allianz? Zum 80. Jahrestag des Hitler-Stalin-Paktes. auf DieKolumnisten.de, 9. Juli 2019.
âą ErklĂ€rung zum 70. Jahrestag von 140 deutschen Intellektuellen â Initiative von Marianne Birthler (BStU), Ulrich MĂ€hlert (Bundesstiftung Aufarbeitung) u. a.
âą Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt (âHitler-Stalin-Paktâ) (PDF), Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 19. August 2014.
âą Pakt der Diktatoren: Der Hitler-Stalin-Pakt von 1939 (Podcast âEine Stunde Historyâ, Deutschlandfunk Nova)
Einzelnachweise
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cite-note-carley710-77. â Michael Jabara Carley: Fiasco. The Anglo-Franco-Soviet Alliance That Never Was and the Unpublished British White Paper, 1939â1940. In: The International History Review 41, Nr. 4 (2019), S. 710.
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cite-note-1111. â Geoffrey Roberts: The Alliance that Failed. Moscow and the Triple Alliance Negotiations, 1939. In: European History Quarterly 26, Nr. 3 (1996), S. 392â395.
cite-note-1212. â Geoffrey Roberts: The Alliance that Failed. Moscow and the Triple Alliance Negotiations, 1939. In: European History Quarterly 26, Nr. 3 (1996), S. 395 f.
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cite-note-1515. â Bianka Pietrow-Ennker: âMit den Wölfen heulen âŠâ. Stalinistische AuĂen- und Deutschlandpolitik. In: Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): PrĂ€ventivkrieg? Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-596-19062-1 (Die Zeit des Nationalsozialismus. 19062), S. 80â98, hier S. 82.
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cite-note-2222. â Jonathan Haslam: The Soviet Union and the Struggle for Collective Security in Europe, 1933â39. Palgrave Macmillan UK, London 1984, S. 221.
cite-note-2323. â GĂŒnter Rosenfeld: Das Zustandekommen und die Auswirkungen des Hitler-Stalin-Pakts. In: Roland G. Foerster (Hrsg.): âUnternehmen Barbarossaâ: Zum historischen Ort der deutsch-sowjetischen Beziehungen. Oldenbourg, MĂŒnchen 1993, S. 35â54, hier S. 45.
cite-note-haslam221-2424. â Jonathan Haslam: The Soviet Union and the Struggle for Collective Security in Europe, 1933â39. Palgrave Macmillan UK, London 1984, S. 221.
cite-note-roberts403-2525. â Geoffrey Roberts: The Alliance that Failed. Moscow and the Triple Alliance Negotiations, 1939. In: European History Quarterly 26, Nr. 3 (1996), S. 403.
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cite-note-neilson1-2727. â Keith Neilson: Britain, Soviet Russia and the Collapse of the Versailles Order, 1919â1939. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 978-0-521-85713-0, S. 306â309.
cite-note-2828. â Michael Jabara Carley: End of the âLow, Dishonest Decadeâ. Failure of the Anglo-Franco-Soviet Alliance in 1939. In: Europe-Asia Studies 45, Nr. 2 (1993), S. 303â341, hier S. 323.
cite-note-roberts404-2929. â Geoffrey Roberts: The Alliance that Failed. Moscow and the Triple Alliance Negotiations, 1939. In: European History Quarterly 26, Nr. 3 (1996), S. 404.
cite-note-3030. â Zara Steiner: The Triumph of the Dark. European International History 1933â1939. Oxford Univ. Press, Oxford 2011, ISBN 1-283-09904-7, S. 899.
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cite-note-roberts406f-3232. â Geoffrey Roberts: The Alliance that Failed. Moscow and the Triple Alliance Negotiations, 1939. In: European History Quarterly 26, Nr. 3 (1996), S. 406 f.
cite-note-3333. â Jean-Baptiste Duroselle: La dĂ©cadence 1932â1939. Imprimerie nationale 1979, S. 417â435.
cite-note-3434. â SĆawomir DÄbski: Polish Perceotions of the Strategic Situation on the Eve of the Second World War. In: Michael H. Clemmesen und Marcus S. Faulkner (Hrsg.): Northern European Overture to War, 1939â1941. From Memel to Barbarossa. Brill, Leiden 2013, ISBN 978-90-04-24908-0 (History of Warfare 87), S. 189â208, hier S. 195, 203 f.
cite-note-3535. â Ingeborg Fleischhauer: Die sowjetische AuĂenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. In: Bernd Wegner (Hrsg.): Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum âUnternehmen Barbarossaâ. Piper, MĂŒnchen 1991, S. 23 f.
cite-note-3636. â Ingeborg Fleischhauer: Die sowjetische AuĂenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. In: Bernd Wegner (Hrsg.): Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum âUnternehmen Barbarossaâ. Piper, MĂŒnchen 1991, S. 25â31.
cite-note-3737. â Manfred Hildermeier: Geschichte der Sowjetunion 1917â1991. Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. C.H. Beck, MĂŒnchen 1998, S. 593 f.
cite-note-3838. â Ingeborg Fleischhauer: Die sowjetische AuĂenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. In: Bernd Wegner (Hrsg.): Zwei Wege nach Moskau. Vom Hitler-Stalin-Pakt bis zum âUnternehmen Barbarossaâ. Piper, MĂŒnchen 1991, zit. S. 32.
cite-note-3939. â Roland G. Forster: Unternehmen Barbarossa. Zum historischen Ort der deutsch-sowjetischen Beziehungen zwischen 1933 und Herbst 1941. 1993, S. 49.
cite-note-4040. â Claudia Weber: Der Pakt: Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz. Kindle-Ausgabe, C.H. Beck, MĂŒnchen 2019, Kapitel 5: âLuftschlösser â die wirtschaftliche Zusammenarbeitâ, Position 2888â2899.
cite-note-4141. â Claudia Weber: Der Pakt: Stalin, Hitler und die Geschichte einer mörderischen Allianz. Kindle-Ausgabe, C.H. Beck, MĂŒnchen 2019, Kapitel 2: âDie letzten Schritteâ, Position 1162.
cite-note-4242. â Horst Möller: Europa zwischen den Weltkriegen (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Band 21). De Gruyter Oldenbourg, Berlin / Boston 2010, ISBN 978-3-486-52321-8, ISBN 978-3-486-70135-7 (E-Book), S. 73.
cite-note-4343. â Die Chronologie der Ereignisse gemÀà Geoffrey Roberts: The Soviet Union and the Origins of the Second World War. London 1995, S. 79â90.
cite-note-4444. â Ingeborg Fleischhauer: Die sowjetische AuĂenpolitik und die Genese des Hitler-Stalin-Paktes. S. 32 f.
cite-note-4545. â Geoffrey Roberts: Stalins Kriege. Vom Zweiten Weltkrieg zum Kalten Krieg. Patmos, DĂŒsseldorf 2008, ISBN 978-3-491-35019-9, S. 45.
cite-note-4646. â Kurt PĂ€tzold: Deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann WeiĂ (Hrsg.): EnzyklopĂ€die des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 430 f.
cite-note-4747. â Sergej Slutsch: 17. September 1939: Der Eintritt der Sowjetunion in den Zweiten Weltkrieg. Eine historische und völkerrechtliche Bewertung. In: Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte, Jg. 48 (2000), S. 219â254, hier S. 249 f. (online, abgerufen am 13. April 2020).
cite-note-4848. â Werner Röhr: Krieg in Ost oder West? In: Christoph Koch (Hrsg.): Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?, Peter Lang, 2015, S. 178.
cite-note-4949. â Bernhard Marquardt, Der Totalitarismus â ein gescheitertes Herrschaftssystem. Eine Analyse der Sowjetunion und anderer Staaten Ost-Mitteleuropas, Bochum 1991, S. 159, 161; Gerd R. UeberschĂ€r, Hitler und Finnland 1939â1941. Steiner, 1978, S. 61.
cite-note-5050. â Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen, Bd. 2: Deutsche Geschichte vom âDritten Reichâ bis zur Wiedervereinigung. C.H. Beck, MĂŒnchen 2000, S. 68.
cite-note-5151. â Martin Broszat: Nationalsozialistische Polenpolitik 1939â1945. De Gruyter, 1961, S. 12.
cite-note-5252. â Ingeborg Fleischhauer: Der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September 1939. Die deutschen Aufzeichnungen ĂŒber die Verhandlungen zwischen Stalin, Molotov und Ribbentrop in Moskau (= Vierteljahrshefte fĂŒr Zeitgeschichte, Jahrgang 39. Heft 3). Institut fĂŒr Zeitgeschichte, 1991, ISSN 0042-5702, S. 447â470 (online [PDF; 1,2 MB]). S. 448 ff.
cite-note-5353. â Jan Lipinsky: Das Geheime Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 und seine Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von 1939 bis 1999. Peter Lang 2000, ISBN 3-631-52322-X, S. 319 ff.
cite-note-5454. â Jan Lipinsky: Das Geheime Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 und seine Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte von 1939 bis 1999. S. 357 ff.
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